Contemporary Amperex Technology steht vor einem technologischen Meilenstein. Der weltgrößte Batteriehersteller hat die letzten Fertigungshürden für Natrium-Ionen-Batterien überwunden — und will noch in diesem Jahr mit der Serienproduktion beginnen.
Mehr als 100 Ingenieurprobleme gelöst
Auf dem Equipment Powerhouse Forum am 30. Mai bestätigte Chefwissenschaftler Wu Kai, Mitglied der Chinesischen Akademie für Ingenieurwissenschaften, dass CATL die entscheidenden Produktionsprobleme gelöst hat. Dazu zählten Feuchtigkeitskontrolle, Gasbildung in Hartkohleanoden, Haftprobleme bei Aluminiumfolie sowie die Serienproduktion selbstgenerierender Anoden — insgesamt über 100 separate Ingenieurprobleme.
Der Serienstart ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Einsatzgebiete umfassen Pkw, Nutzfahrzeuge, Batteriewechselnetzwerke und stationäre Energiespeicher.
Naxtra: Billiger als LFP, aber noch nicht gleichwertig
CATL rechnet damit, dass Natrium-Ionen-Batterien langfristig rund 30 Prozent günstiger sein könnten als vergleichbare Lithium-Eisenphosphat-Systeme. Das würde Rohstoffkosten senken und die Lieferkettenstabilität verbessern.
Die aktuelle Energiedichte liegt bei 175 Wh/kg — noch unterhalb von LFP-Systemen. CATL will diese Lücke innerhalb von drei Jahren schließen und damit eine CLTC-Reichweite von rund 600 Kilometern ermöglichen. Im Februar präsentierten CATL und Changan gemeinsam einen Pkw mit der Naxtra-Batterie; der Marktstart ist für Mitte 2026 vorgesehen. Dem Vernehmen nach handelt es sich um den Changan Nevo A06 — das erste in Serie gefertigte Elektrofahrzeug mit Natriumzellen. Den Technologiesprung unterstreicht ein 60-GWh-Liefervertrag, der bislang größte Einzelauftrag für Natrium-Ionen-Zellen überhaupt.
Beteiligungsabbau beim Materiallieferanten
Parallel dazu zieht sich CATL aus einer Upstream-Beteiligung zurück. Am 3. Juni gab der Lithium-Eisenphosphat-Hersteller Hunan Yuneng bekannt, dass CATL und Mitaktionär Jinsheng New Materials ihre Anteile reduzieren wollen. CATL plant den Verkauf von bis zu 25,3 Millionen Aktien, was drei Prozent des Grundkapitals entspricht. Beide Aktionäre hielten zuletzt jeweils rund 7,1 Prozent; nach vollständiger Umsetzung würden beide unter die Fünf-Prozent-Schwelle fallen.
Als Begründung nennt CATL normale Kapitalmanagementbedürfnisse. Angesichts CATLs Marktstellung gelten solche Beteiligungsbewegungen als Indikator für die strategische Ausrichtung im Kathodenmaterialsegment.
Marktführerschaft mit starkem Rückenwind
Die operative Stärke ist kaum zu übersehen. Im April 2026 installierte CATL allein 29,06 GWh an Fahrzeugbatterien und hielt damit einen Marktanteil von 46,6 Prozent in China. Im ersten Quartal stieg der Nettogewinn laut HSBC um rund 49 Prozent auf umgerechnet rund 2,8 Milliarden Dollar — die Bank erwartet, dass sich dieser Schwung ins zweite Quartal fortsetzt, gestützt auf Auslastungsraten von 85 bis 90 Prozent.
Die Aktie notiert aktuell bei 78,43 Euro, ein Tagesrückgang von 1,70 Prozent. Auf Jahressicht hat sich der Kurs mehr als verdoppelt — ein Plus von 129 Prozent. Der Serienstart der Naxtra-Batterien im vierten Quartal wird zeigen, ob CATL den Kostenvorteil von Natrium-Ionen auch in der Breite realisieren kann.
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