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Computex-Beben: Marvell explodiert, Intel kämpft — Nvidia eröffnet neue Front

Marvell Technology erhält Ritterschlag von Nvidia-Chef Huang und schießt auf Rekordhoch. Nvidia attackiert mit neuem PC-Chip Intels Kerngeschäft.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Marvell-Aktie springt zweistellig nach oben
  • Nvidia präsentiert PC-Superchip RTX Spark
  • Intel zeigt Roadmap, Aktie gibt nach
  • SK Hynix verdoppelt Speicherkapazität bis 2031

Die Computex 2026 in Taipeh hat den Halbleitersektor in weniger als 48 Stunden umgekrempelt. Jensen Huang rief Marvell Technology zur nächsten Billionen-Dollar-Firma aus — die Aktie schoss zweistellig nach oben. Gleichzeitig griff Nvidia mit einem neuen PC-Superchip Intels Kerngeschäft frontal an, während SK Hynix eine Verdopplung der Speicherkapazität ankündigte und Infineon ein frisches Allzeithoch markierte. Fünf Chipwerte, fünf Geschichten, ein gemeinsamer Treiber: die KI-Infrastruktur.

Marvell Technology: Huangs Ritterschlag katapultiert die Aktie auf Rekordhoch

Ein einziger Satz von Jensen Huang reichte. „Das nächste Billionen-Dollar-Unternehmen“ — so bezeichnete der Nvidia-Chef den Custom-Chip-Spezialisten bei einem gemeinsamen Bühnenauftritt mit Marvell-CEO Matthew Murphy in Taipeh. Die Reaktion ließ nicht auf sich warten: Marvell-Aktien sprangen vorbörslich um mehr als 24 Prozent und erreichten bei 222,65 Euro ein neues Allzeithoch.

Die Worte haben einen handfesten Hintergrund. Nvidia investierte Anfang des Jahres zwei Milliarden Dollar in Marvell, um Custom-AI-Chips besser mit der eigenen Netzwerk- und Prozessorarchitektur zu verzahnen. Marvell selbst prognostiziert, dass das Custom-Chip-Geschäft bis zum Fiskaljahr 2029 einen Jahresumsatz von über zehn Milliarden Dollar erreichen wird.

Die jüngsten Quartalszahlen untermauern das Momentum. Der Q1-Umsatz erreichte mit 2,42 Milliarden Dollar einen Rekord, der operative Cashflow lag bei 639 Millionen Dollar. Drei Viertel des Gesamtumsatzes stammen mittlerweile aus dem Datacenter-Geschäft — vor zwei Jahren war es die Hälfte. Für das zweite Quartal erwartet das Management ein sequenzielles Plus von 12 Prozent, für das Gesamtjahr ein Wachstum von 40 Prozent.

Die Analystengemeinde reagierte mit einer Welle an Kurszielanhebungen:

  • Rosenblatt: Ziel rauf auf 240 Dollar (zuvor 190 Dollar)
  • Raymond James: Ziel rauf auf 235 Dollar (zuvor 105 Dollar)
  • Bank of America: Ziel rauf auf 240 Dollar (zuvor 200 Dollar)
  • Goldman Sachs: Ziel rauf auf 180 Dollar (zuvor 125 Dollar)

Bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von knapp 192 Milliarden Dollar liegt Marvell allerdings noch weit entfernt von der Billionen-Marke, die Huang in den Raum stellte. Die 44 von S&P Global erfassten Analysten vergeben im Konsens die Bewertung „Strong Buy“.

Nvidia: RTX Spark eröffnet die PC-Front

Nvidia begnügt sich nicht mehr mit der Dominanz im Rechenzentrum. Mit dem RTX Spark — Codename N1X — greift das Unternehmen nun direkt das PC-Prozessorgeschäft an, das bislang Intel und AMD unter sich aufgeteilt haben. Der ARM-basierte SoC wurde gemeinsam mit MediaTek und Microsoft entwickelt und vereint einen 20-Kern-Grace-CPU, eine Blackwell-GPU mit 6.144 CUDA-Kernen sowie bis zu 128 GB einheitlichen LPDDR5X-Speicher auf TSMCs 3-nm-Knoten.

Das Ergebnis: bis zu ein Petaflop an FP4-KI-Rechenleistung — lokal, auf einem Laptop. Geräte mit RTX Spark sollen ab Herbst 2026 ausgeliefert werden. ASUS, HP, Dell, Lenovo, MSI und Microsofts Surface Laptop Ultra gehören zu den ersten OEM-Partnern.

Bei einem aktuellen Kurs von 195,06 Euro notiert die Aktie rund drei Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der Titel legte auf Wochensicht knapp 5,6 Prozent zu. Am 4. Juni steht der Ex-Dividenden-Tag an, die Ausschüttung beträgt 0,25 Dollar je Aktie. Cathie Woods ARK Investment kaufte am Montag 300.000 Nvidia-Aktien zu — ein Vertrauenssignal aus dem institutionellen Lager.

Intel: Starke Roadmap, aber Nvidia rückt auf den Leib

Für Intel war die Computex ein Tag der gemischten Signale. Das Unternehmen präsentierte mit den Xeon-6+-Prozessoren (Clearwater Forest) den weltweit ersten Datacenter-Chip auf der hauseigenen 18A-Fertigungstechnologie. Dazu kamen die Ethernet-Plattform E835 und eine Vorschau auf die kommende Datacenter-GPU Crescent Island mit Xe3P-Architektur, die Datentypen von FP4 bis FP64 unterstützen und bis zu 480 GB lokalen Speicher adressieren soll.

Gleichzeitig bestätigte Intel, dass die nächste Xeon-7-Generation „Diamond Rapids“ 2027 auf dem 18A-P-Prozess folgen wird. Eine dicht gepackte Roadmap — die allerdings durch Nvidias RTX-Spark-Offensive überschattet wurde. Die Aktie gab am Nachmittag 4,1 Prozent ab, als die Tragweite des neuen Nvidia-Chips deutlich wurde. Er zielt auf beide Säulen von Intels Geschäft: klassische PC-Prozessoren und inferenzoptimierte Server-CPUs.

Die Grundlagen stimmen trotzdem. Intels Q1-Umsatz kletterte um 7 Prozent auf 13,6 Milliarden Dollar. Das Datacenter-und-KI-Segment wuchs 22 Prozent, die Foundry-Sparte legte 16 Prozent zu. Seit Jahresanfang hat die Aktie um gut 175 Prozent zugelegt. Auf Wochensicht allerdings korrigierte der Kurs um knapp 13 Prozent — bei einem RSI von 18,9 bewegt sich Intel tief im überverkauften Bereich.

Die Analystengemeinde bleibt gespalten. Der Konsens lautet „Hold“ mit einem mittleren Kursziel von 88,81 Dollar, das höchste Ziel liegt bei 150 Dollar. Morningstar-Analyst Brian Colello warnt, dass Investoren möglicherweise ein Best-Case-Szenario einpreisen, während Wettbewerbs- und Umsetzungsrisiken fortbestehen.

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SK Hynix: Verdopplung der Kapazität bis 2031

SK-Group-Chairman Chey Tae-won wählte die Computex für eine Ankündigung mit Signalwirkung: SK Hynix wird seine Speicher-Wafer-Kapazität innerhalb von fünf Jahren verdoppeln. Einen konkreten Investitionsbetrag nannte Chey nicht, bestätigte aber, dass die Ausgaben 2026 deutlich über den 30,2 Billionen Won des Vorjahres liegen werden. Zudem hat das Unternehmen die Listung von American Depositary Receipts in New York beantragt.

Die Logik hinter dem Ausbau: Chey rechnet damit, dass die KI-getriebene Knappheit am Speichermarkt bis 2030 anhält. Neue Fabriken benötigen über fünf Jahre Vorlaufzeit — die zusätzliche Kapazität käme also erst gegen Ende des prognostizierten Engpass-Fensters online.

SK Hynix‘ Marktstellung untermauert den Expansionskurs. Das Unternehmen kontrolliert rund 57 Prozent des HBM-Marktes und 32 Prozent der globalen DRAM-Produktion. Im März-Quartal erzielte SK Hynix einen Umsatz von 52,6 Billionen Won bei einer operativen Marge von 71,5 Prozent. Die Aktie notiert mit 2.360.000 KRW praktisch auf dem 52-Wochen-Hoch und hat seit Jahresanfang um rund 249 Prozent zugelegt. Vergangene Woche überschritt die Marktkapitalisierung erstmals die Marke von einer Billion Dollar.

Chey betonte außerdem den Wunsch, HBM-Hauptlieferant für Nvidias kommende Vera-Rubin-Architektur zu werden — und signalisierte Interesse an breiteren Partnerschaften in Taiwan, über die bestehende TSMC-Beziehung hinaus.

Infineon: Allzeithoch vor dem Dresdner Fabrikstart

Der Münchner Chipkonzern markierte heute mit 85,52 Euro ein neues Allzeithoch. Seit Jahresanfang hat sich die Aktie mehr als verdoppelt — ein Plus von über 123 Prozent. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 111 Milliarden Euro.

Zentraler Kurstreiber ist die bevorstehende Eröffnung der Smart Power Fab in Dresden am 2. Juli. Die größte Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte — rund fünf Milliarden Euro, davon etwa eine Milliarde an staatlichen Zuschüssen — geht damit vor dem Zeitplan in Betrieb. Bis zu 1.000 Arbeitsplätze sollen entstehen, der Fokus liegt auf energieeffizienten Netzteilen für KI-Rechenzentren.

Die Partnerschaft mit Nvidia im Rahmen der MGX-Plattform bindet Infineon in die 800-Volt-Gleichstrom-Architektur künftiger KI-Serverracks ein. Galliumnitrid-Halbleiter und Siliziumkarbid-JFETs — sogenannte Wide-Bandgap-Komponenten — bilden das technologische Fundament, das herkömmliches Silizium im Hyperscale-Bereich nicht mehr leisten kann.

Die Zahlen unterstützen den Kurs. Im KI-Rechenzentrum-Segment stieg der Umsatz von 250 Millionen Euro in 2024 auf über 700 Millionen im Vorjahr. Für 2026 peilt das Management rund 1,5 Milliarden an, bis 2027 sollen es 2,5 Milliarden werden. Einen Tag vor der Dresdner Eröffnung, am 1. Juli, vereinfacht der Konzern zudem seine Struktur von vier auf drei Segmente.

Jefferies-Analyst Janardan Menon bekräftigte sein Kaufurteil und hob hervor, dass Infineons Spannungsreglermodule über ein breites Spektrum von GPUs und ASICs hinweg verbaut werden — eine Diversifikation, die das Unternehmen von der Abhängigkeit einzelner Chiparchitekturen abschirmt.

Halbleitersektor am Scheideweg zwischen Euphorie und Bewertungsrisiko

Die Computex hat eine klare Trennlinie innerhalb des Sektors gezogen. Auf der einen Seite stehen die KI-Infrastruktur-Profiteure — Nvidia, Marvell, SK Hynix und Infineon — die jeweils frische Katalysatoren aus Taipeh mitbrachten. Auf der anderen Seite steht Intel mit einer überzeugenden Roadmap, die jedoch gleichzeitig vom neuen Wettbewerber Nvidia attackiert wird.

Der globale Halbleitermarkt dürfte 2026 um mehr als 25 Prozent wachsen und knapp 975 Milliarden Dollar erreichen. Das Speichersegment wird mit 30 Prozent noch stärker zulegen. Der Boom agentischer KI-Systeme — solcher, die eigenständig Entscheidungen treffen und mehrstufige Aufgaben koordinieren — treibt die Nachfrage nach Server-CPUs und Speicherchips gleichermaßen.

Die entscheidenden Fragen für die kommenden Wochen:

  • Kann Marvell das von Huang geschürte Momentum in nachhaltige Umsatzbeschleunigung umwandeln, oder verpufft der Effekt nach dem Computex-Rampenlicht?
  • Gelingt es Intel, den RSI-Tiefstand als Sprungbrett zu nutzen, oder verschärft Nvidias PC-Offensive den Verkaufsdruck weiter?
  • Rechtfertigt SK Hynix‘ Kapazitätsverdopplung die Bewertung nahe am Allzeithoch, oder ist der Markt dem Ausbauplan bereits vorausgelaufen?

Die strukturelle KI-Rückenwind bleibt intakt. Die Debatte verschiebt sich nun auf die Frage, welche Unternehmen schnell genug wachsen können, um Bewertungen zu rechtfertigen, die bereits viel Positives vorwegnehmen.

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