Monatelang stemmte sich die Commerzbank gegen die Übernahme durch UniCredit. Jetzt macht Aufsichtsratschef Jens Weidmann eine Kehrtwende. Er lädt UniCredit-Chef Andrea Orcel öffentlich zu Verhandlungen ein.
Der Grund liegt in den Zahlen. UniCredit kontrolliert inzwischen, inklusive Finanzinstrumenten und Optionen, einen Anteil von knapp 48 bis 50 Prozent an der Frankfurter Bank. Eine Blockade wäre gegen diese Mehrheit kaum noch durchzusetzen.
Drei Bedingungen für den Deal
Weidmann will keinen Widerstand mehr leisten. Stattdessen verhandelt er über Garantien. Drei Punkte stehen dabei im Zentrum:
- Beschäftigungssicherung: Der Erhalt der rund 39.000 Arbeitsplätze in Deutschland.
- Zentralen-Status: Frankfurt soll langfristig operatives Hauptquartier bleiben.
- Mittelstands-Garantie: Verlässliche Kreditlinien für deutsche Firmenkunden.
Orcel reagierte prompt. Im Interview mit der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ zeigte er sich offen für die deutschen Forderungen. Er bekräftigte seine Vision einer paneuropäischen Großbank und nannte erstmals einen konkreten Termin: das vierte Quartal 2026 als Zieltermin für den Vollzug der Übernahme.
Die Börse reagierte auf die Klärung des Zeitplans gelassen. Die Aktie notiert bei 37,62 Euro, nur 3,98 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro. Von einem Nervenkrieg ist an den Kursdaten wenig zu erkennen.
Starke Zahlen als Verhandlungsmasse
Die Commerzbank geht nicht als Bittstellerin in die Gespräche. Erst vor wenigen Tagen wurde das Institut bei den FINANCE Awards 2026 als „Beste Bank im deutschen Firmenkundengeschäft“ ausgezeichnet. Für das Gesamtjahr 2026 peilt der Vorstand unter CEO Bettina Orlopp ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro an.
Auch bei der Ausschüttung liefert die Bank Argumente. Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte sie im Mai 2026 eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie. Das entsprach nahezu einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr.
Bis 2028 will die Bank fast das gesamte Nettoergebnis über Dividenden und Rückkäufe an Aktionäre zurückgeben. Diese Zusage gilt allerdings nur, wenn die Eigenständigkeitsstrategie „Momentum 2030″ weiterverfolgt wird. Genau diese Strategie steht durch die Übernahmegespräche nun infrage.
Q2-Zahlen als nächste Wegmarke
Am 6. August 2026 legt die Commerzbank ihren Zwischenbericht für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vor. Analysten sehen darin einen neuen Maßstab für die laufenden Preisverhandlungen mit UniCredit.
Übertrifft der operative Gewinn die Erwartungen, dürfte der Druck auf Orcel steigen. Eine bessere Übernahmeprämie wäre dann schwerer zu vermeiden. Bis dahin bleibt der Kurs stabil zwischen Widerstand und Verhandlungsbereitschaft — die eigentliche Preisfrage klärt sich frühestens im August.
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