Die Commerzbank hat eigene Aktien eingezogen und damit ungewollt den rechnerischen Einfluss von UniCredit weiter vergrößert. Nach einer Stimmrechtsmitteilung gemäß § 40 Abs. 1 WpHG reduzierte das Institut am Donnerstag seine Gesamtstimmrechte um 4,14 Prozent.
Da UniCredit ihren absoluten Aktienbestand nicht verändert hat, steigt ihr prozentualer Zugriff auf das Frankfurter Geldhaus dadurch automatisch – von zuvor 47,59 auf nun 49,65 Prozent. Rund 3,36 Prozentpunkte davon entfallen auf Kaufoptionen, nicht auf direkten Aktienbesitz.
Der Mechanismus ist technischer Natur, verschiebt aber die Kräfteverhältnisse spürbar näher an die Marke von 50 Prozent, ab der UniCredit die Kontrolle über die Commerzbank de facto beanspruchen könnte.
Am Aktienmarkt kam die Nachricht am Freitag gut an: Das Papier schloss bei 39,08 Euro, ein Plus von 1,6 Prozent auf Tagesbasis. Damit bleibt der Kurs rund 2,6 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, das die Aktie am 13. August markiert hatte.
Politik hält sich zurück, Justiz meldet sich zu Wort
Parallel zur Aktienbewegung nahm der politische Druck auf die Bundesregierung zu, sich zur möglichen Fusion zu positionieren. Bundeskanzler Friedrich Merz signalisierte am Freitag auf einer Pressekonferenz, dass die Regierung eine Fusion zwischen UniCredit und Commerzbank nicht verhindern werde. Laut Manager Magazin kontrolliert UniCredit-Chef Andrea Orcel die Dynamik des Übernahmeprozesses inzwischen faktisch selbst.
Belastend wirkte dagegen eine Meldung der deutschen Justiz: Laut Reuters und dpa erhob die Staatsanwaltschaft am Donnerstag Anklage gegen vier ehemalige Commerzbank-Mitarbeiter wegen Steuerbetrugs im Zusammenhang mit Cum-Ex-Aktiengeschäften. Die Vorwürfe betreffen frühere Beschäftigte und berühren das laufende Übernahmeverfahren nicht unmittelbar, dürften aber die öffentliche Debatte um die Bank weiter befeuern.
Fundamentaldaten stützen die Bewertung
Die operative Basis der Commerzbank bleibt solide. Vor gut zwei Wochen hatte das Institut Rekordzahlen für das zweite Quartal vorgelegt: Der Nettogewinn stieg um 94 Prozent auf 898 Millionen Euro, der operative Gewinn kletterte um 17 Prozent auf 1,27 Milliarden Euro.
Die Bank bestätigte ihr Jahresziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn für 2026. Seither hat sich der Kurs um 1,4 Prozent bewegt – ein moderater Anstieg, der die Erwartungen an das operative Geschäft bereits weitgehend eingepreist zu haben scheint.
Auch institutionelle Investoren zeigen ungebrochenes Interesse: Der US-Vermögensverwalter Rhumbline Advisers erhöhte laut einer SEC-Meldung seine Position in Commerzbank-ADRs im Berichtsquartal um 22,3 Prozent.
Auf Sicht von zwölf Monaten steht die Aktie mit 3,5 Prozent im Plus, seit Jahresbeginn beträgt das Kursplus 8,2 Prozent. Der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 28,90 Euro, das im Oktober vergangenen Jahres erreicht wurde, liegt inzwischen bei 35 Prozent.
Ausblick: Entscheidung rückt näher
Für den Zeitraum bis Oktober werden laut Marktbeobachtern weitere Gespräche zwischen den beiden Instituten über die strategische Ausrichtung und eine mögliche Integration erwartet.
Mit dem Anstieg des UniCredit-Anteils auf 49,65 Prozent rückt die Schwelle einer faktischen Kontrollmehrheit in greifbare Nähe – auch wenn ein erheblicher Teil davon weiterhin auf Optionsrechten statt auf direktem Aktienbesitz beruht.
Anleger dürften die kommenden Wochen genau beobachten, ob sich aus der politischen Zurückhaltung der Bundesregierung ein konkreter Fahrplan für die Fusion entwickelt.
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