Die Commerzbank-Aktie ist am Donnerstag deutlich unter Druck geraten. Der Kurs fiel um 4,73 Prozent und rutschte damit spürbar unter den gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 37,20 Euro. Auslöser ist eine neue Wortmeldung aus Mailand: UniCredit hat im Rahmen ihrer Halbjahresberichterstattung erstmals einen konkreten Zeitpunkt für die operative Kontrollübernahme bei der Commerzbank genannt.
UniCredit nennt erstmals Zeitplan für Kontrollübernahme
Die italienische Großbank strebt die operative Kontrolle über die Commerzbank für das vierte Quartal 2026 an. Voraussetzung dafür ist die noch ausstehende Genehmigung der EZB-Bankenaufsicht. Damit rückt ein Datum in greifbare Nähe, das die Marktteilnehmer seit Monaten umtreibt.
Zugleich bezifferte UniCredit ihre rechnerische Beteiligung an der Commerzbank nach Abschluss des freiwilligen Übernahmeangebots auf 44,37 Prozent. Unter Einbeziehung bestehender Kaufoptionen hat das Institut Zugriff auf insgesamt 47,59 Prozent der Anteile. Damit fehlt UniCredit nur noch ein kleines Stück bis zur einfachen Mehrheit an der Frankfurter Bank. Nach Ablauf der Annahmefrist für das Übernahmeangebot am 3. Juli waren der italienischen Bank weitere 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien von Aktionären angedient worden.
Berlin signalisiert Ende der Blockade
Politischen Rückenwind für die Transaktion gab es bereits vergangene Woche. Bundeskanzler Friedrich Merz signalisierte in einer Presseerklärung ein Ende der aktiven Blockadehaltung der Bundesregierung gegen die UniCredit-Übernahme. Er verwies dabei auf die Entscheidungshoheit der privaten Eigentümer. Damit fällt ein wesentliches politisches Hindernis, das die Transaktion monatelang begleitet hatte, weitgehend weg.
Kursrückgang inmitten des Übernahmepokers
Der jüngste Kursverlauf zeigt die Nervosität der Anleger. Zwischen dem 14. und dem 19. Juli hatte die Aktie bereits rund 5 Prozent verloren, nachdem der gesamte europäische Bankensektor ohne konkreten Einzelanlass unter Verkaufsdruck geraten war. Der heutige Einbruch verschärft diesen Trend zusätzlich. Auf Sicht von sieben Tagen steht nun ein Minus von 3,69 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es 3,44 Prozent.
Der Blick auf die längerfristige Entwicklung relativiert das Bild allerdings etwas. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, erreicht am 14. Juli, beträgt nun 6,87 Prozent. Auf Zwölfmonatssicht liegt die Aktie mit 23,24 Prozent weiterhin deutlich im Plus. Die Marktkapitalisierung der Commerzbank beläuft sich aktuell auf 40,47 Milliarden Euro.
Kapitalrückgaben und Ausblick auf Halbjahreszahlen
Unabhängig vom Übernahmegeschehen hatte die Commerzbank zuletzt mit eigenen Kapitalmaßnahmen für Aufmerksamkeit gesorgt. Im März meldete das Institut den erfolgreichen Abschluss des Aktienrückkaufprogramms 2026/I: Insgesamt wurden 15.676.410 eigene Aktien zu einem Durchschnittspreis von 33,45 Euro zurückerworben, das Gesamtvolumen belief sich auf 524 Millionen Euro. Bereits im Februar hatte der Vorstand für das Geschäftsjahr 2025 eine Rekord-Kapitalrückgabe von insgesamt 2,7 Milliarden Euro angekündigt, bestehend aus einer Dividende von 1,10 Euro je Aktie sowie den bereits durchgeführten Rückkäufen.
Für den 6. August ist die Veröffentlichung des Zwischenberichts zum zweiten Quartal und zum ersten Halbjahr 2026 terminiert. Anleger dürften die Zahlen genau daraufhin abklopfen, wie sich das operative Geschäft angesichts der schwebenden Übernahmefrage entwickelt.
Mitte Juli hatten die Analysten von JPMorgan ihr Rating für die Commerzbank auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 37,00 Euro belassen. Das Kursziel liegt damit knapp über dem aktuellen Niveau von 36,49 Euro, dürfte angesichts der jüngsten Entwicklungen im Übernahmeprozess aber ohnehin bald zur Disposition stehen. Die kommenden Wochen bis zur Halbjahresbilanz und zur erwarteten EZB-Entscheidung dürften über die weitere Kursrichtung entscheiden.
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