Die Commerzbank hat ihre letzten zurückgekauften Aktien eingezogen. Der Schritt verändert die Machtverhältnisse im Übernahmestreit mit UniCredit erneut: Der italienische Konzern erhält dadurch technisch Zugriff auf bis zu 49,65 Prozent der Stimmrechte – zuvor lag der Wert bei 47,59 Prozent. Rein rechnerisch fehlt UniCredit damit nur noch ein kleiner Schritt zur Kontrollmehrheit.
Der Vorgang ist eine direkte Folge der geringen Aktionärsbeteiligung an früheren Rückkäufen der Commerzbank. Weil das Institut eigene Aktien einzieht, sinkt die Gesamtzahl der ausstehenden Anteile – und der prozentuale Anteil, den UniCredit über die bereits erworbenen Papiere hält, steigt automatisch, ohne dass der italienische Konzern selbst zukaufen musste. Für die Machtfrage im Kontrollstreit ist das ein spürbarer Fortschritt zugunsten von UniCredit.
Weidmann sieht Übernahmerecht in der Kritik
Aufsichtsratsmitglied Jens Weidmann äußerte sich am Sonntag kritisch zum Verlauf der Übernahme. Er forderte eine Überprüfung des deutschen Übernahmerechts und warf UniCredit vor, mit einem „finanziell unattraktiven Angebot“ die Mehrheit erreicht zu haben, ohne den übrigen Aktionären eine angemessene Kontrollprämie zu zahlen.
Die Kritik reiht sich ein in eine Reihe von Wortmeldungen Weidmanns, der bereits im Juli die klaren Machtverhältnisse anerkannt, gleichzeitig aber auf einen konstruktiven Dialog mit UniCredit gedrängt hatte.
Hintergrund der schwachen Verhandlungsposition der verbliebenen Commerzbank-Aktionäre ist die geringe Beteiligung am ursprünglichen Übernahmeangebot: Bis zum Ende der Annahmefrist Anfang Juli hatten nur 17,6 Prozent der Aktionäre ihre Papiere angedient, unter unabhängigen institutionellen und privaten Anlegern waren es sogar nur 2,7 Prozent.
Diese Zurückhaltung hat den Konflikt zwischen den Lagern zusätzlich verschärft, ändert aber nichts an der nun technisch nahezu erreichten Kontrollschwelle.
Kursreaktion bleibt verhalten
Der Kurs der Commerzbank-Aktie notiert am heutigen Montag bei 39,45 Euro und legt damit um 0,9 Prozent zu. Anleger reagieren auf die jüngsten Entwicklungen im Übernahmekampf damit vergleichsweise gelassen – die Aktie bewegt sich weiterhin in unmittelbarer Nähe ihres 52-Wochen-Hochs. Die Marktbewertung deutet darauf hin, dass der nahezu vollständige Kontrollübergang an UniCredit von den Investoren bereits weitgehend eingepreist ist.
Zusätzliches Gewicht erhält die Situation durch Berichte, wonach sich die Commerzbank-Führung intern bereits mit der Übernahme abgefunden habe. Erste formale Gespräche zwischen UniCredit-CEO Andrea Orcel und Commerzbank-CEO Bettina Orlopp fanden bereits Mitte August statt, mit Fokus auf praktische Fragen des bevorstehenden Kontrollwechsels in Bereichen wie Rechnungslegung, Recht und Risikomanagement.
Der nun vollzogene Einzug der letzten eigenen Aktien liefert dafür einen weiteren konkreten Beleg: Die Commerzbank agiert operativ bereits so, als sei der Machtwechsel eine beschlossene Sache.
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