Der Übernahmepoker um die Commerzbank geht in die nächste Runde. UniCredit hat die erste Hürde genommen und kontrolliert nun fast 40 Prozent der Anteile. Anleger haben nun eine zweite Chance, ihre Papiere anzudienen.
Die Zahlen nach der ersten Frist
Bis zum Ende der ersten Frist Mitte Juni sammelte die italienische Großbank fleißig ein. Aktionäre reichten Papiere für gut 12,5 Prozent des Grundkapitals ein. Parallel dazu hält UniCredit bereits knapp 27 Prozent der Aktien direkt. Damit überschreitet das Institut die wichtige Schwelle von 30 Prozent deutlich.
Das Spiel ist damit nicht vorbei. Wer das Angebot bisher ignorierte, bekommt eine Nachfrist. Bis zum 3. Juli können Investoren den Deal noch annehmen. Die Commerzbank-Führung wehrt sich indes weiter vehement. Vorstand und Aufsichtsrat lehnen die Offerte ab. Sie kritisieren eine zu geringe Prämie. Außerdem fehle ein überzeugender Plan für den Zusammenschluss.
Langes Warten auf die Aufseher
Selbst bei einer hohen Annahmequote droht eine Hängepartie. UniCredit hat zwar einige formale Bedingungen bereits erfüllt. Dazu zählt der Ausschluss eines Insolvenzverfahrens. Allerdings fehlen noch sämtliche regulatorische Freigaben. Kartellwächter und Finanzaufsicht müssen den Deal erst absegnen. UniCredit rechnet daher erst im Jahr 2027 mit einem endgültigen Vollzug.
Am Aktienmarkt spiegelt sich die Übernahmefantasie derweil klar wider. Die Commerzbank-Papiere verabschiedeten sich am Freitag bei 38,33 Euro ins Wochenende. Damit notiert der Kurs hauchdünn unter dem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro.
Seit Jahresanfang steht ein Plus von knapp fünf Prozent auf der Kurstafel. Der RSI-Wert von 63,8 bestätigt die starke Aufwärtsbewegung. Extreme Überhitzung signalisiert der Indikator aber noch nicht. Die Börse preist das Umtauschverhältnis ein: UniCredit bietet 0,485 eigene Papiere je Commerzbank-Aktie.
Die Entscheidung vertagt sich nun in den Juli. Am 8. Juli will UniCredit die Annahmequote nach der Nachfrist verkünden. Fällt das Ergebnis deutlich höher aus, schwindet der Handlungsspielraum für das Commerzbank-Management massiv. Bis dahin bestimmt die rechtliche Zeitschiene den Nachrichtenfluss im Bankensektor.
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