Die Commerzbank hat am Donnerstag das beste Halbjahresergebnis ihrer jüngeren Geschichte vorgelegt. Der Nettogewinn kletterte im ersten Halbjahr 2026 um 40 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, wie das Institut mitteilte. Das operative Ergebnis stieg um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Parallel dazu bahnt sich die entscheidende Phase im Ringen um die Zukunft der Bank an: UniCredit hat bei der Europäischen Zentralbank offiziell die Genehmigung für eine Mehrheitsbeteiligung beantragt.
Trotz der starken Zahlen reagierte die Börse mit Ernüchterung. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 38,55 Euro und verlor 1,63 Prozent – ein Dämpfer, der angesichts der ungewissen Übernahmesituation weniger überrascht als das Rekordergebnis selbst. Vom 52-Wochen-Hoch, das die Commerzbank erst am Vortag der Zahlenvorlage markiert hatte, trennen das Papier damit noch 3,26 Prozent.
Zweites Quartal übertrifft Vorjahr deutlich
Im zweiten Quartal verdoppelte sich der Nettogewinn nahezu von 462 Millionen auf 898 Millionen Euro. Das operative Ergebnis wuchs um 17 Prozent auf 1,367 Milliarden Euro. Getragen wurde die Entwicklung von robusten Erträgen: Diese legten im Halbjahr um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zu, der Provisionsüberschuss stieg um 8 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Der Zinsüberschuss blieb trotz der Zinssenkungen mit 4,1 Milliarden Euro nahezu stabil. Die Nettoeigenkapitalrendite kletterte auf 12,6 Prozent.
Die Commerzbank bestätigte ihren im Mai angehobenen Jahresausblick: mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn, ein Nettozinsertrag von 8,6 Milliarden Euro und eine Cost-Income-Ratio von 53 Prozent. Für die Zeit bis 2030 hält das Institut im Rahmen der Strategie „Momentum 2030″ an einer Eigenkapitalrendite von 21 Prozent und einer Cost-Income-Ratio von 43 Prozent fest. Zusätzlich genehmigte die EZB ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,2 Milliarden Euro, das die Bank an ihre Aktionäre auszahlen will.
UniCredit-Prüfung läuft, Fronten weichen auf
Die eigentliche Nachricht des Tages liegt jedoch im Machtkampf um die Bank. Die BaFin hatte den Antrag von UniCredit auf eine Mehrheitsbeteiligung von mehr als 30 Prozent Ende Juli als vollständig eingestuft und an die EZB weitergeleitet, die die Prüfung am Montag aufnahm. Der Notenbank bleiben dafür 60 Arbeitstage, verlängerbar um bis zu 20 Tage. UniCredit hält nach Abschluss seines Übernahmeangebots vom 3. Juli inzwischen 47,6 Prozent des Kapitals beziehungsweise 49,7 Prozent der Stimmrechte, hinzu kommen 11,48 Prozent über Derivate ohne Stimmrechte. Beim Angebot selbst hatten lediglich 17,6 Prozent der Aktien angedient, davon weniger als 2 Prozent von unabhängigen Aktionären.
Bemerkenswert ist der Kurswechsel auf deutscher Seite. Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte seinen Widerstand gegen eine Fusion Ende Juli aufgegeben und selbst den Dialog mit UniCredit gefordert. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp signalisierte bereits davor Gesprächsbereitschaft und bekräftigte dies auch bei der Zahlenvorlage: Sie strebt ein gemeinsames mittelfristiges Zielbild mit dem italienischen Institut an. Laut Börsen-Zeitung will Orlopp direkte Verhandlungen. Auch die Bundesregierung hatte im Juli ihre frühere Ablehnung aufgegeben und sich auf mögliche Gespräche eingestellt.
UniCredit-Chef Andrea Orcel hatte Ende Juli seine „Commerzbank Unlocked“-Strategie skizziert, die Investitionen von 2,2 Milliarden Euro sowie zusätzliche Risikovorsorge von 500 Millionen Euro vorsieht. Die Ratingagentur S&P senkte bereits im Juli ihren Ausblick für die Commerzbank und verwies dabei auf die drohende Integration in den UniCredit-Konzern.
Anleger zwischen operativer Stärke und Übernahmerisiko
Für Anleger verdichten sich damit zwei Erzählungen zu einer: eine operativ außergewöhnlich starke Bank, die ihre Ziele bis 2030 selbstbewusst anhebt, und eine Übernahmesituation, deren Ausgang die EZB in den kommenden Wochen maßgeblich mitbestimmt. Die Marktkapitalisierung von aktuell 43,48 Milliarden Euro spiegelt bereits einen erheblichen Aufschlag auf die Fundamentaldaten wider – ein Vorbote der Erwartung, dass die Übernahmefrage bald entschieden wird.
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