Die Commerzbank setzt auf Expansion in Frankfurt – mitten in den laufenden Gesprächen über ihre Zukunft als eigenständiges Institut. Das Geldhaus hat sich für 15 Jahre mehr als 73.000 Quadratmeter im neuen Central Business Tower gesichert, den Eigentümer Helaba am Bankenplatz errichtet.
Der 205 Meter hohe Turm mit 52 Etagen soll ab 2028 rund 3.200 Arbeitsplätze aufnehmen. Der bestehende, 259 Meter hohe Commerzbank Tower bleibt dabei Hauptsitz der Bank.
Investition trotz Übernahmedruck
Die langfristige Anmietung fällt in eine Phase, in der die Eigenständigkeit der Commerzbank selbst zur Debatte steht. Unicredit hat sich Zugriff auf fast die Hälfte der Anteile gesichert und gilt als de facto Kontrollaktionär.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, deren Vertrag bis 2029 läuft, mahnte beim Handelsblatt-Bankengipfel in Frankfurt am Mittwoch zur Vorsicht im Umgang mit der italienischen Bank: „Wir sollten es nicht vermasseln“, sagte sie mit Blick auf laufende Gespräche, die auf eine wertmaximierende Strategie zielen sollen.
Dass die Bank dennoch in einen millionenschweren Mietvertrag über eineinhalb Jahrzehnte investiert, lässt sich als Signal lesen: Der operative Betrieb läuft unabhängig vom Ausgang der Eigentümerfrage weiter.
Für die neuen Flächen dürfte auch eine Rolle spielen, dass Unicredit-Chef Andrea Orcel parallel Milliardeneinsparungen und einen Abbau von Tausenden Stellen plant und zugleich das Auslandsnetz beschneiden will – Pläne, die im Widerspruch zu einer Standorterweiterung in Frankfurt stehen könnten, sollte es tatsächlich zur Übernahme kommen.
Politik bleibt eingebunden
Der Bund hält weiterhin gut 12 Prozent an der Commerzbank. Finanzminister Lars Klingbeil hat Orcel für den 14. September nach Berlin eingeladen, um über die weiteren Schritte zu sprechen. Die Entscheidung über Frankfurter Bürofläche für die kommenden anderthalb Jahrzehnte fällt damit noch vor diesem politisch aufgeladenen Treffen – ein Zeichen dafür, dass das Management operative Weichen unabhängig vom Verhandlungsstand mit Unicredit stellt.
Am Markt kommt das Vorgehen der Bank derzeit gut an: Die Aktie notiert bei 40,18 Euro und liegt damit nur rund 2 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 41,00 Euro. Der Kurs hat sich seit dem Jahrestief von 28,90 Euro im Oktober deutlich erholt und spiegelt das Vertrauen der Anleger in die laufende strategische Neuausrichtung wider.
Einordnung für Anleger
Die neue Bürofläche allein ist kein Kursargument, doch sie zeigt, dass die Commerzbank operativ nicht auf eine Übernahme wartet, sondern eigene Kapazitätsplanung betreibt.
Für Anleger bleibt der 14. September der nächste wichtige Termin, an dem sich die Beziehung zwischen Bund, Unicredit und Commerzbank weiter klären dürfte. Bis dahin liefert die Standortentscheidung ein Stück Normalität in einer ansonsten von Übernahmespekulationen geprägten Nachrichtenlage.
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