Die Commerzbank hat am Donnerstag die stärkste Halbjahresbilanz ihrer jüngeren Geschichte vorgelegt. Das Operative Ergebnis kletterte um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro, das Nettoergebnis erreichte mit 1,8 Milliarden Euro ebenfalls einen Rekordwert. Die Nettoeigenkapitalrendite stieg auf 12,6 Prozent. Allein im zweiten Quartal verdiente die Bank 898 Millionen Euro und damit 94,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum – deutlich mehr, als Analysten mit durchschnittlich 845 Millionen Euro erwartet hatten.
Der Aktienkurs reagierte prompt: Am Freitag schloss das Papier bei 39,17 Euro, ein Plus von 1,61 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 4,12 Prozent, seit Jahresbeginn hat die Aktie 8,50 Prozent gewonnen. Zum 52-Wochen-Hoch von 39,85 Euro, erst am Donnerstag markiert, fehlen nur noch 1,71 Prozent.
Kapitalrückgabe wird ausgeweitet
Auf Basis der starken Zahlen zieht die Commerzbank auch bei der Aktionärsvergütung nach. Im Juli beantragte die Bank einen weiteren Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro, die Zustimmung der Europäischen Zentralbank liegt bereits vor. Sobald auch die Finanzagentur ihr Einverständnis erteilt, kann die Bank die nächsten Schritte einleiten. Für das laufende Geschäftsjahr plant das Institut, erneut 100 Prozent des Nettoergebnisses nach Abzug der AT1-Kuponzahlungen an die Aktionäre auszuschütten. Bei einem Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro entspräche das einer Kapitalrückgabe von rund 3,2 Milliarden Euro, wobei der Dividendenanteil auf mindestens 50 Prozent steigen soll. Für das Gesamtjahr bekräftigte die Bank zudem ihren Ausblick: Erträge von rund 13,2 Milliarden Euro, eine Kosten-Ertrags-Relation von etwa 53 Prozent und eine harte Kernkapitalquote von über 14 Prozent zum Jahresende.
Nicht alles läuft rund. Im Inland verzeichnete die Bank Abflüsse zinssensibler Einlagen, weil Wettbewerber Lockangebote mit mehr als 3 Prozent Verzinsung ins Feld führen. In Polen steht der Zinsüberschuss wegen niedrigerer Leitzinsen unter Druck. Eine spürbare Erholung erwartet das Management erst im zweiten Halbjahr.
Orlopp signalisiert Gesprächsbereitschaft gegenüber Unicredit
Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp nutzte die starken Zahlen, um das Gespräch mit Großaktionärin Unicredit zu suchen. Zugleich stellte sie klar, dass die italienische Bank nicht „einseitig über grundlegende strukturelle Maßnahmen entscheiden“ könne, selbst wenn sie vor der Hauptversammlung eine Mehrheitsbeteiligung erwerben sollte. Laut Corriere della Sera hält Unicredit nach Abschluss ihres im Juli beendeten Übernahmeangebots 47,59 Prozent des Kapitals, entsprechend 49,65 Prozent der Stimmrechte, sowie weitere 11,48 Prozent über Derivate ohne Stimmrechte.
Die Bafin hatte Ende Juli die Vollständigkeit des Unicredit-Antrags auf eine Beteiligung von mehr als 30 Prozent festgestellt und den Fall zur formellen Prüfung an die EZB weitergeleitet. Damit läuft eine gesetzliche Frist von 60 Arbeitstagen, die sich um bis zu 20 weitere Arbeitstage verlängern kann, sollte die EZB zusätzliche Informationen anfordern. Orlopp rechnet damit, dass im vierten Quartal sämtliche Genehmigungen vorliegen werden – neben der EZB-Entscheidung fehlen noch die Zustimmungen der EU-Kartellbehörden, der deutschen Außenwirtschaftsprüfung, der US-Notenbank Federal Reserve sowie der polnischen Finanzaufsicht. Der Bund, der weiterhin 12 Prozent der Commerzbank-Anteile hält, lehnt das aus seiner Sicht „aggressive Vorgehen“ von Unicredit ab, will den Zusammenschluss aber nicht verhindern.
Analysten reagieren auf die Zahlen
Die Deutsche Bank Research bestätigte am Freitag die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 42 Euro. Analyst Benjamin Goy lobte, das zweite Quartal habe die Erwartungen solide getoppt, merkte aber an, der Geschäftsmix hätte besser ausfallen können. Die DZ Bank hob ihren fairen Wert im Zuge der Zahlen von 42 auf 46 Euro an und bekräftigte die Kaufempfehlung – sie rechnet weiterhin mit einer vollständigen Übernahme durch Unicredit, erwartet aber kurzfristig kein neues Angebot. JPMorgan zeigte sich zurückhaltender: Das Kursziel wanderte leicht von 37 auf 38 Euro nach oben, die Einstufung bleibt bei „Neutral“ angesichts des aus Sicht des Analystenhauses begrenzten Abwärtspotenzials.
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