Nach Monaten des Widerstands schlägt die Commerzbank-Chefin plötzlich versöhnliche Töne an. In einem bankintern verbreiteten Interview signalisiert Bettina Orlopp erstmals offen, dass sie die baldige Führungsrolle von UniCredit akzeptiert. Der Ton markiert eine deutliche Wende im monatelangen Übernahmepoker um die zweitgrößte deutsche Privatbank.
„Es braucht zwischen unseren Häusern einen konstruktiven Dialog für einen wertschaffenden Weg nach vorn“, lässt Orlopp verlauten. Sie betont dabei, mit der stärksten Commerzbank der Geschichte an den Verhandlungstisch zu treten — und verweist auf breiten Rückhalt bei Aufsichtsrat, Bundesregierung und Arbeitnehmern. Über die kommenden Wochen und Monate sollen beide Häuser Schritt für Schritt festlegen, wie es weitergeht, stets im Schulterschluss mit Aufsichtsrat und Arbeitnehmervertretern.
Mehrheit allein reicht nicht
Selbst mit einer Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung könnte UniCredit nach Orlopps Einschätzung nicht allein über wesentliche Strukturmaßnahmen entscheiden. Das dürfte den Rahmen für die anstehenden Gespräche abstecken.
Rechnerisch kommen die Italiener bereits auf 44,37 Prozent der Commerzbank-Anteile, nachdem ein freiwilliges Übernahmeangebot bis Anfang Juli weitere rund 17,6 Prozent der Aktien einbrachte. Über zusätzliche Kaufoptionen ist sogar ein Zugriff auf 47,59 Prozent möglich — knapp unterhalb der Mehrheitsschwelle. Für die eigentliche Kontrollübernahme braucht UniCredit aber noch die Zustimmung der EZB, die nach Einschätzung der Italiener im vierten Quartal 2026 vorliegen könnte.
Die Commerzbank-Aktie reagierte auf die versöhnlichen Signale zeitweise mit einem Plus von 1,29 Prozent auf 37,82 Euro im Xetra-Handel.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, wie konkret der angekündigte Dialog wird. Bis zur EZB-Entscheidung im vierten Quartal bleibt der genaue Fahrplan für die Kontrollübernahme offen.
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