Die Commerzbank hat am Donnerstag die besten Halbjahreszahlen ihrer jüngeren Geschichte vorgelegt und reagiert darauf mit einem neuen Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Vorstandschefin Bettina Orlopp nutzt die Zahlen, um zu zeigen, dass ihre Strategie Erträge liefert – just in dem Moment, in dem der italienische Rivale UniCredit die Kontrolle über die Frankfurter Bank anstrebt.
Rekordhalbjahr trotz Übernahmedruck
Im ersten Halbjahr 2026 erzielte die Bank Erträge von 6,5 Milliarden Euro, ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn kletterte um 40 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro – ein Rekordwert. Allein im zweiten Quartal verdiente die Bank 898 Millionen Euro und übertraf damit die durchschnittliche Analystenschätzung von 856 Millionen Euro deutlich. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte das Institut seinen Ausblick: Gesamterträge von rund 13,2 Milliarden Euro, ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro, eine Eigenkapitalrendite von rund 12 Prozent sowie eine Cost-Income-Ratio von rund 53 Prozent. Die Ausschüttungsquote soll bei 100 Prozent des Gewinns nach AT1-Kupons liegen, die harte Kernkapitalquote zum Jahresende über 14 Prozent.
Am Kapitalmarkt kam das gut an. Am Freitag schloss die Aktie bei 39,17 Euro und legte damit um 1,61 Prozent zu. Damit liegt das Papier nur noch rund 1,7 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, das es erst am Donnerstag markiert hatte.
Analysten uneins über weiteres Potenzial
Die Reaktionen der Analysten fielen unterschiedlich aus. Die DZ Bank zeigt sich mit ihrem Kursziel besonders optimistisch: Sie hob den fairen Wert von 42 auf 46 Euro an und hält an ihrer Kaufempfehlung fest. Die Analysten rechnen weiterhin mit einer vollständigen Übernahme der Commerzbank durch UniCredit, erwarten aber kurzfristig kein neues Angebot. JPMorgan zeigt sich deutlich zurückhaltender: Das Haus erhöhte sein Kursziel nur leicht von 37 auf 38 Euro und bleibt bei der Einstufung Neutral, da das Abwärtspotenzial aus seiner Sicht begrenzt ist. Immerhin passten die Analysten ihre Gewinnschätzungen für das laufende Jahr wegen höherer Erträge und geringerer Kosten nach oben an. Insgesamt bewegen sich die Kursziele der Häuser damit in einer Spanne von 38 bis 46 Euro – ein Zeichen dafür, dass operative Stärke und Übernahmefantasie unterschiedlich gewichtet werden.
UniCredit-Verfahren läuft, Orlopp sucht gemeinsame Basis
Der eigentliche Treiber der Aktie bleibt die Übernahmesituation. UniCredit hatte sich bereits Anfang Juli über ein Übernahmeangebot Zugriff auf nahezu 50 Prozent der Stimmrechte gesichert, wobei von unabhängigen Aktionären nur 2,7 Prozent ihre Aktien angedient hatten – ein erheblicher Teil der Zustimmung kam von mit UniCredit verbundenen Finanzinstituten. Die Bafin stufte den Antrag der Italiener auf eine Mehrheitsbeteiligung Ende Juli als vollständig ein und leitete ihn zur Entscheidung an die Europäische Zentralbank weiter. Damit läuft eine gesetzliche Frist von 60 Arbeitstagen, die sich um bis zu 20 weitere Tage verlängern kann, sollte die EZB zusätzliche Informationen anfordern. Marktbeobachtern zufolge könnte UniCredit die Kontrolle im günstigsten Fall bereits im Herbst übernehmen, im ungünstigeren Szenario erst Anfang Dezember.
Orlopp betonte bei der Vorlage der Halbjahresbilanz, man habe Gespräche mit UniCredit aufgenommen und sei optimistisch, Schritt für Schritt eine gemeinsame Basis zu finden. Auch der Bund als zweitgrößter Aktionär sei einbezogen. „Für eine einvernehmliche und wertschaffende Lösung bedarf es eines gemeinsamen Austauschs unter Einbindung der Unternehmensführung, der Arbeitnehmervertreter sowie des Bundes als zweitgrößtem Aktionär“, sagte die Commerzbank-Chefin laut Handelsblatt. Sie machte zugleich klar, dass UniCredit trotz seiner Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung nicht allein über wesentliche Strukturmaßnahmen entscheiden könne.
UniCredit-Chef Andrea Orcel sieht laut einem Insiderbericht derzeit allerdings keinen Grund für direkte Verhandlungen mit Orlopp, da das Übernahmeangebot bereits abgeschlossen und die Ergebnisse aus seiner Sicht eindeutig seien. Zugleich zeige sich UniCredit offen für einen Austausch mit den Stakeholdern der Commerzbank – insbesondere mit der Bundesregierung, den Arbeitnehmervertretern und den Leitungsgremien der polnischen Tochter mBank. S&P Global Ratings bestätigte unterdessen das Emittentenrating der Commerzbank mit A, senkte den Ausblick aber von positiv auf stabil und verwies auf Integrationsrisiken sowie den möglichen Wegfall eigenständiger Kapitalpuffer im Fall einer Kontrollübernahme durch UniCredit. Für Anleger bleibt die Aktie damit ein Papier mit zwei Geschichten: solide operative Zahlen auf der einen, ein offener Übernahmepoker auf der anderen Seite.
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