Andrea Orcel spricht plötzlich von einer möglichen Einigung. Der UniCredit-Chef äußert sich in einem Interview auffällig versöhnlich zur monatelangen Übernahmeschlacht um die Commerzbank. Die Aktie reagiert am Montag mit einem Kurssprung auf 37,66 Euro, ein Plus von 2,90 Prozent.
Orcel sieht gemeinsame Basis in Sicht
In einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ erklärt Orcel, die Gespräche würden voraussichtlich zu einer gemeinsamen Basis führen. Sein Institut bleibe bereit, frühere Zusagen einzuhalten. Dazu zählen Maßnahmen zur Abfederung sozialer Folgen, Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen sowie Finanzierung der wirtschaftlichen Transformation Deutschlands.
Bemerkenswert ist eine weitere Aussage: Die mögliche Einigung könne umfassender ausfallen, als viele erwarten. Orcel signalisiert damit, dass er den deutschen Forderungen weiter entgegenkommen könnte. Der seit Monaten schwelende Konflikt soll damit beigelegt werden.
Der UniCredit-Chef weist zudem Kritik zurück, die Übernahme würde der Commerzbank schaden. Die Kombination aus Commerzbank und der deutschen UniCredit-Tochter HypoVereinsbank würde sich strategisch ergänzen, so Orcel. Das größere Institut könne die deutsche Wirtschaft und den Unternehmenssektor besser unterstützen.
Berlin und UniCredit bereiten Gespräche vor
Das Interview reiht sich in eine Serie von Entwicklungen ein. Bereits am Freitag hatte Commerzbank-Aufsichtsratschef Jens Weidmann UniCredit offiziell zu Gesprächen über Fusionsbedingungen eingeladen. Die Kampagne der Commerzbank gegen eine Übernahme hat in den letzten Wochen an Schwung verloren.
Der Grund: UniCredit hat schrittweise eine Beteiligung von 48 Prozent aufgebaut. Damit kann das italienische Institut Gesellschafterbeschlüsse bestimmen.
Auch die Bundesregierung gibt ihre bisherige Blockadehaltung laut Medienberichten auf. UniCredit besitzt mittlerweile knapp die Hälfte der Commerzbank-Aktien. Eine Übernahme lässt sich damit kaum mehr verhindern – diese Erkenntnis scheint sich nun auch in Berlin durchzusetzen. Die Regierung setzt jetzt auf Verhandlungen statt auf Blockade.
Laut einem Bloomberg-Bericht arbeitet die Regierung derzeit an konkreten Forderungen. Über diese will man mit UniCredit bei möglichen späteren Gesprächen verhandeln. Einen konkreten Gesprächstermin soll es allerdings noch nicht geben.
Nach Bloomberg-Informationen werden UniCredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-CEO Bettina Orlopp voraussichtlich kurz nach dem Bilanztermin der deutschen Bank am 6. August ein Videogespräch führen. Ein Durchbruch in der aktuellen Pattsituation gilt als unwahrscheinlich. Das Treffen könnte aber den Weg für substanziellere Verhandlungen ebnen.
Kursreaktion und Ausblick
Der Kurssprung vom Montag setzt eine bereits laufende Erholung fort: Auf Zwölfmonatssicht steht die Aktie mit 26,12 Prozent im Plus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 39,18 Euro, erreicht Mitte Juli, trennt die Aktie derzeit nur noch ein Abstand von 3,88 Prozent.
Die kommenden Wochen dürften vom Übernahmeprozess geprägt bleiben. Mit den Quartalszahlen am 6. August und dem darauffolgenden Videogespräch zwischen Orlopp und Orcel rückt der nächste mögliche Verhandlungsschritt näher.
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