UniCredit sammelt im Übernahmepoker um die Commerzbank weitere regulatorische Bausteine ein. Am 29. Mai meldete die italienische Bank die Freigabe der serbischen Wettbewerbsbehörde. Das klingt nach Fortschritt, ist aber noch kein Durchbruch.
Die Commerzbank-Aktie notiert am Freitag bei 36,95 Euro und legt damit um 0,74 Prozent zu. Über 30 Tage steht ein Plus von 4,56 Prozent, der RSI von 72,5 zeigt eine technisch bereits angespannte Lage.
Freigabe ja, Vollzug nein
Das Umtauschangebot läuft nach der Angebotsunterlage bis zum 16. Juni um Mitternacht Frankfurter Zeit. UniCredit bietet je angedienter Commerzbank-Aktie 0,485 neue eigene Aktien.
Der Vollzug hängt weiter an mehreren Bedingungen. UniCredit nennt unter anderem Fusionskontrollfreigaben, außenwirtschaftsrechtliche Genehmigungen, die EU-Prüfung zu ausländischen Subventionen und weitere Finanzaufsichtsfreigaben. Auch Bedingungen zu Insolvenz, Kapitalerhöhung und Marktveränderungen bleiben relevant.
Hinzu kommt eine Feststellung der Europäischen Zentralbank zu satzungsbezogenen Änderungen im Zusammenhang mit der geplanten Angebots-Kapitalerhöhung. Für die Transaktion ist das ein weiterer formaler Schritt. Er ersetzt aber nicht die noch offenen Prüfungen.
Die UniCredit-Position ist nicht die Annahmequote
Wichtig ist die Trennung zwischen gemeldeter Gesamtposition und tatsächlich angedienten Aktien. Laut Stimmrechtsmitteilung kommt UniCredit auf eine Gesamtposition von 38,87 Prozent. Davon entfallen 26,77 Prozent auf direkt gehaltene Stimmrechte aus Aktien und 12,10 Prozent auf Instrumente.
Zuvor hatte die Gesamtposition 32,64 Prozent betragen. Der Anstieg sagt damit etwas über die Positionierung von UniCredit aus, nicht automatisch über die Bereitschaft der Commerzbank-Aktionäre, das Angebot anzunehmen.
Bis zum 26. Mai um 14:00 Uhr waren 11.967.891 Commerzbank-Aktien wirksam angedient. Das ist die für das Angebot zentrale Quote.
Sie entspricht rund 1,06 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte. Separat meldete UniCredit direkt gehaltene 301.854.505 Aktien, entsprechend 26,77 Prozent.
Bei den Instrumenten nennt UniCredit Total Return Swaps über 36.281.603 Stimmrechte. Das entspricht rund 3,22 Prozent.
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Weitere Instrumente beziehen sich auf 120.588.163 Stimmrechte, entsprechend rund 10,70 Prozent. Genau diese Aufteilung verhindert eine verkürzte Lesart: Die niedrige Annahmequote und die hohe Gesamtposition sind zwei verschiedene Größen.
Commerzbank hält dagegen
Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank haben ihre gemeinsame Stellungnahme am 18. Mai veröffentlicht. Beide Gremien empfahlen den Aktionären, das Umtauschangebot nicht anzunehmen.
Die Begründung ist klar: Aus Sicht der Commerzbank bietet UniCredit keine angemessene Prämie und keinen kohärenten strategischen Plan für einen Zusammenschluss. Der rechnerische Angebotswert lag am 15. Mai bei 34,56 Euro, während die Aktie bei 36,48 Euro geschlossen hatte.
Die Bank stützt ihre Abwehr nicht nur auf Bewertungskritik. Sie verweist auch auf die operative Entwicklung und die eigene Ertragskraft.
Im ersten Quartal erzielte die Commerzbank ein operatives Ergebnis von 1,4 Milliarden Euro, ein Plus von 11 Prozent. Das Nettoergebnis stieg um 9 Prozent auf 913 Millionen Euro; den Ausblick hob die Bank auf mindestens 3,4 Milliarden Euro an.
Kapitalrückgaben verstärken diese Argumentation. Die Commerzbank will zeigen, dass sie auch eigenständig Wert an ihre Anteilseigner zurückführen kann.
Für das Geschäftsjahr 2025 wurde eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie beschlossen. Die Zustimmung lag bei 99,88 Prozent.
Die Ausschüttung summiert sich auf rund 1,2 Milliarden Euro. Zusammen mit zwei bereits abgeschlossenen Aktienrückkäufen über rund 1,5 Milliarden Euro fließen damit etwa 2,7 Milliarden Euro zurück.
Die Hauptversammlung erteilte außerdem Ermächtigungen zum Erwerb und zur Verwendung eigener Aktien. Die Mehrheiten lagen bei 96,25 Prozent beziehungsweise 97,79 Prozent.
Bis zum 16. Juni bleibt die Annahmequote der härteste Gradmesser im Angebot. Solange sie nur bei rund 1 Prozent liegt, erzählt sie eine andere Geschichte als die gemeldete UniCredit-Gesamtposition aus Aktien und Instrumenten.
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