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Commerzbank Aktie: Klingbeil verhandelt mit Orcel

Die Bundesregierung sucht den Dialog mit UniCredit und pocht auf Frankfurter Börsenpräsenz, deutsche Führung, Jobschutz und Mittelstandsfinanzierung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Klingbeil empfängt UniCredit-Chef Orcel
  • Berlin fordert Commerzbank mit deutscher Identität
  • Bund hält gut zwölf Prozent
  • Aktie nähert sich dem 52-Wochen-Hoch

Die Übernahmeschlacht um die Commerzbank tritt in eine entscheidende Phase. Die Bundesregierung schaltet sich nun direkt in die Verhandlungen zwischen UniCredit und dem deutschen Institut ein und formuliert klare Bedingungen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil empfängt UniCredit-Chef Andrea Orcel am kommenden Montag in Berlin zu einem Gespräch über die Zukunft der Commerzbank.

Im Zentrum der Forderungen steht der Erhalt der deutschen Identität des Instituts. Die Bundesregierung verlangt, dass die Commerzbank ihre Börsennotierung in Frankfurt behält, dort weiterhin ihren Sitz und Vorstand unterhält und als Aktiengesellschaft deutschen Rechts fortbesteht.

Hessen fordert zudem ausdrücklich den dauerhaften Verbleib von Vorstand und Hauptsitz am Finanzplatz Frankfurt. Zusätzlich pocht Berlin auf den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen sowie auf die Sicherung der Mittelstandsfinanzierung, ein Kerngeschäft der Commerzbank für deutsche Unternehmen.

Bund als zweitgrößter Aktionär mit Gewicht

Die Bundesregierung ist bei diesen Verhandlungen kein neutraler Beobachter, sondern selbst Aktionär: Der Bund hält gut 12 Prozent an der Commerzbank und ist damit zweitgrößter Anteilseigner.

Diese Position soll offenbar genutzt werden, um Einfluss auf die künftige Struktur zu nehmen – im Gespräch ist unter anderem das Recht auf zwei Sitze im Aufsichtsrat. UniCredit selbst hat sich über das im Sommer ausgelaufene Umtauschangebot Zugriff auf fast 50 Prozent der Stimmrechte gesichert.

Für den Fall eines Zusammenschlusses zeichnet sich bereits die Größenordnung ab: Eine fusionierte Gruppe käme auf eine Bilanzsumme von mehr als 1,3 Billionen Euro. UniCredit-Chef Orcel rechnet im Zuge der Integration mit einem Abbau von rund 7.000 Stellen.

Die Europäische Zentralbank tendiert Berichten zufolge dazu, dem Vorhaben grundsätzlich keine Einwände entgegenzusetzen – ein Signal, das den Druck auf Berlin erhöht, seine Bedingungen nun frühzeitig zu verankern.

Kurs nahe am Jahreshoch

An der Börse kommt die politische Einmischung gut an. Die Commerzbank-Aktie legt am Freitag um 2,1 Prozent zu und notiert bei 42,63 Euro, nachdem sie am Vortag noch bei 41,77 Euro geschlossen hatte. Damit bewegt sich das Papier nur noch knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch von 43,12 Euro, das erst vor wenigen Tagen erreicht wurde. Auf Jahressicht steht die Aktie mit 18 Prozent im Plus, binnen zwölf Monaten sogar mit 29 Prozent.

Analysten sind sich über die weitere Kursentwicklung uneins. Während J.P. Morgan ein Kursziel von 39 Euro nennt, sehen Metzler und Oddo-BHF das Papier bei 45 Euro fair bewertet – eine Spanne, die die Unsicherheit über den Ausgang der Übernahmegespräche widerspiegelt.

Baader-Bank-Analyst Robert Halver ordnet den Vorgang grundsätzlicher ein und spricht von einer „Frage der finanziellen Souveränität“; er kritisiert zugleich die deutsche Politik und fordert mehr Attraktivität für Investoren.

Offener Ausgang trotz Verhandlungsbereitschaft

Bemerkenswert ist der Kurswechsel der Bundesregierung: Statt weiter grundsätzlichen Widerstand gegen eine Übernahme zu leisten, sucht Berlin nun den Dialog und will eigene Bedingungen in die künftige Strategie einbringen.

Das Treffen zwischen Klingbeil und Orcel am Montag dürfte zeigen, wie kompromissbereit UniCredit bei den zentralen Forderungen – Frankfurt-Listing, Arbeitsplatzschutz und Mittelstandsrolle – tatsächlich ist. Für Anleger bleibt die Aktie damit vorerst ein politisch getriebenes Papier, dessen weitere Kursentwicklung eng an den Ausgang dieser Gespräche gekoppelt ist.

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