Der Übernahmekampf um die Commerzbank eskaliert juristisch. Der Gesamtbetriebsrat hat Strafanzeige gegen UniCredit erstattet — wegen Verdachts der Marktmanipulation. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft führt bereits Vorermittlungen durch.
Orcel gegen Orlopp: Wer lügt?
Auslöser ist ein handfester Widerspruch zwischen den Chefs beider Banken. UniCredit-CEO Andrea Orcel hatte behauptet, nahezu alle aktiven Großinvestoren hätten ihre Anteile bereits angedient. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp widersprach dem am Donnerstag öffentlich.
Die offiziellen Zahlen der Commerzbank sprechen eine klare Sprache: Lediglich 1,29 Prozent der institutionellen Anleger und 0,05 Prozent der Privatanleger haben das Angebot bisher angenommen. Von den insgesamt angedienten 12,51 Prozent entfallen 11,17 Prozentpunkte auf Banken — nicht auf klassische Investoren. Orlopp betonte, hunderte institutionelle Aktionäre hielten der Bank die Treue.
Die Commerzbank wirft UniCredit vor, die eigene Position durch irreführende Aussagen aufzublähen. Kein Wunder, dass auch die Gewerkschaft Verdi aktiv wird.
BaFin eingeschaltet, Frist läuft
Verdi hat BaFin-Chef Mark Branson schriftlich aufgefordert, die Kommunikation von UniCredit umfassend zu prüfen. Im Kern geht es um die Frage, ob die italienische Bank die Öffentlichkeit über den tatsächlichen Stand der Offerte getäuscht hat.
Das Tauschangebot selbst sieht 0,485 UniCredit-Aktien pro Commerzbank-Anteil vor. Die Commerzbank-Führung rät weiterhin von der Annahme ab: Das Angebot enthalte keine angemessene Prämie. Die Annahmefrist läuft bis zum 3. Juli 2026. Mit den endgültigen Ergebnissen rechnet der Markt am 8. Juli.
Aktie bleibt stabil
Die juristische Eskalation hinterlässt an der Börse kaum Spuren. Die Commerzbank-Aktie notiert bei 37,67 Euro — ein Plus von 0,72 Prozent gegenüber dem Vortag. Über zwölf Monate hat das Papier rund 38 Prozent zugelegt.
Bis zum 8. Juli dürfte das Ringen um Aktionärsgunst und Deutungshoheit weitergehen — flankiert von staatsanwaltlichen Vorermittlungen und einer laufenden BaFin-Prüfung, die UniCredit zusätzlich unter Druck setzen.
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