Im Übernahmepoker um die Commerzbank taucht plötzlich ein massiver Stolperstein auf. Neue Dokumente der UniCredit offenbaren eine Klausel im polnischen Kapitalmarktrecht, die den Italienern im Erfolgsfall ein unerwartetes Milliarden-Engagement aufzwingen könnte. Was als taktisches Druckmittel gegen den Frankfurter Vorstand gedacht war, birgt nun ein immenses finanzielles Risiko.
Dreh- und Angelpunkt ist die polnische Commerzbank-Tochter mBank. Sobald UniCredit die Marke von 50 Prozent an dem deutschen Mutterkonzern überschreitet, wird automatisch ein Pflichtangebot für das Warschauer Institut fällig. Die dortigen Regularien verlangen in diesem Fall eine Bar-Komponente sowie einen festgelegten Mindestpreis. Bei einem aktuellen Streubesitz von knapp 31 Prozent entspräche dies einem Wert von 3,8 Milliarden Euro. Ein vollständiges Delisting der Tochter lehnt die polnische Finanzaufsicht zudem strikt ab.
Eigentlich strebt UniCredit-Chef Andrea Orcel derzeit gar keine Kontrollmehrheit an. Das 35 Milliarden Euro schwere Tauschangebot dient primär dazu, die Commerzbank-Führung an den Verhandlungstisch zu zwingen. Die Frankfurter weisen die Avancen jedoch zurück und pochen auf das eigene Wertschöpfungspotenzial. An der Börse stützt das Übernahmefieber den Kurs spürbar: Die Papiere notieren nach einem Zuwachs von fast zehn Prozent auf Wochensicht aktuell bei 34,56 Euro und damit deutlich über dem implizierten UniCredit-Angebotspreis von 30,80 Euro.
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Kuriose Zusammenarbeit auf Tochterebene
Während der Vorstand in Frankfurt mauert, zeichnet sich auf operativer Ebene ein völlig anderes Bild ab. Ausgerechnet die mBank verhandelt aktuell mit UniCredit über einen Risikotransfer für gewerbliche Immobilienkredite im Volumen von 1,2 Milliarden Euro. Auch wenn sich diese Gespräche noch in einem frühen Stadium befinden, konterkariert die Kooperation die offizielle Abwehrhaltung der Commerzbank-Spitze. UniCredit selbst räumt derweil ein, dass die anhaltende Unsicherheit über die Integration zu Kunden- und Mitarbeiterverlusten führen könnte.
Die zeitliche Taktung für die nächsten Schritte steht fest. Am 4. Mai will sich UniCredit auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die nötige Kapitalerhöhung für den Aktientausch absegnen lassen. Da der deutsche Bund als Großaktionär einen Verkauf seiner Anteile von zwölf Prozent weiterhin blockiert und die polnische Klausel eine feindliche Mehrheitsübernahme extrem verteuert, verengen sich die Optionen für die Italiener auf dem Weg zu einer erfolgreichen Transaktion.
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