Die Übernahmeschlacht um die Commerzbank hat eine neue Phase erreicht. UniCredit kontrolliert inzwischen rund 48 Prozent der Anteile und dürfte die kommende Hauptversammlung bestimmen. Der deutsche Vorstand um Bettina Orlopp gibt seinen Widerstand gegen die italienische Bank auf und verhandelt nun um Arbeitsplätze und den Erhalt des Frankfurter Standorts.
Aufsichtsratschef Jens Weidmann hat UniCredit-Chef Andrea Orcel zu Gesprächen eingeladen. Der Fokus liegt auf Job- und Standortschutz für die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt, nicht mehr auf der Frage, ob die Übernahme überhaupt stattfindet. Orcel selbst hatte den Anteil zuvor auf fast 50 Prozent hochgefahren und treibt sein Projekt einer paneuropäischen Großbank trotz anhaltenden politischen Widerstands voran.
Orcels Pläne: Kein Kahlschlag, aber weniger Hierarchie
Details zur Zukunft der Commerzbank unter italienischer Führung wurden zuletzt konkreter. Orcel will den Bund als Aktionär mit einem Anteil von rund 12 Prozent an Bord halten und verzichtet nach eigenen Angaben auf einen Kahlschlag im Privatkundengeschäft. Eine signifikante Filialschließungswelle soll ausbleiben, wobei rund 400 Standorte im Gespräch sind. Einschnitte plant er dagegen bei den Management-Ebenen – hier will UniCredit Kosten sparen.
Für die Marke Commerzbank selbst bedeutet das zunächst Kontinuität: HVB und Commerzbank sollen zwei bis drei Jahre eigenständig bleiben, eine Fusionsentscheidung ist laut den Plänen erst in vier bis fünf Jahren zu erwarten. Auch eine eigenständige Börsennotierung der Commerzbank gilt als möglich. Für Anleger bedeutet die lange Übergangsfrist, dass eine schnelle Komplettintegration – und damit ein rascher Squeeze-out-Prozess – vorerst nicht ansteht.
JPMorgan sieht Rückenwind für UniCredit
Die Finanzmärkte bewerten den Zugriff auf die Commerzbank für UniCredit positiv. JPMorgan hob das Kursziel für die italienische Bank von 93 auf 94 Euro an und bestätigte die Einstufung „Overweight“. Analystin Delphine Lee begründete den Schritt nach den UniCredit-Quartalszahlen mit höheren Gewinnschätzungen je Aktie für 2027 und 2028 – getrieben durch die Konsolidierung der Commerzbank-Beteiligung sowie positive Gebührentrends im UniCredit-Konzern.
Für die Commerzbank-Belegschaft bleibt die Situation dennoch angespannt. Konzernchefin Orlopp steht öffentlich unter Druck: Im Manager-Ranking der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung für das zweite Quartal schaffte sie es zwar unter die besten zehn Führungskräfte des Landes, wurde in der Berichterstattung aber vor allem mit dem Übernahmedruck durch UniCredit in Verbindung gebracht.
Aktie nahe am Jahreshoch
Der Kapitalmarkt honoriert die Entspannung im Übernahmestreit. Am Montag legte die Commerzbank-Aktie um 2,23 Prozent zu und schloss bei 37,52 Euro. Damit notiert das Papier nur noch 4,24 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro, das erst kürzlich markiert wurde. Der Kursverlauf spiegelt die Erwartung wider, dass eine geordnete Einigung zwischen Frankfurt und Mailand wahrscheinlicher geworden ist als ein offener Übernahmekampf.
Für Anleger rückt damit weniger die Frage nach dem Ob der Übernahme in den Mittelpunkt als vielmehr die Konditionen: Wie viele Arbeitsplätze bleiben in Frankfurt erhalten, welche Rolle spielt der Bund als Anteilseigner, und wann fällt die Entscheidung über eine mögliche Fusion mit der HVB. Die kommenden Wochen dürften zeigen, wie weit UniCredit den angekündigten Kompromissen bei Standort und Belegschaft tatsächlich Taten folgen lässt.
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