Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat die Ermittlungen gegen UniCredit eingestellt. Der Vorwurf: Marktmanipulation beim Aufbau der Beteiligung an der Commerzbank. Für die Aktie ist das ein klares positives Signal im laufenden Übernahmepoker.
Ermittlungen vom Tisch, Übernahmefrage bleibt offen
Der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank hatte Anzeige erstattet. Er wollte die Rechtmäßigkeit der UniCredit-Anteilsaufstockung prüfen lassen. Die Staatsanwaltschaft fand keine Anhaltspunkte für ein rechtswidriges Vorgehen.
UniCredit hält aktuell 47,6 Prozent der Commerzbank-Aktien. Auf der Hauptversammlung verfügt der italienische Großaktionär faktisch über 49,65 Prozent der Stimmrechte. Die strafrechtliche Entlastung nimmt kurzfristig Druck aus der Situation.
Die eigentliche Hürde bleibt jedoch bestehen: die regulatorische Prüfung durch die Europäische Zentralbank. Experten erwarten hier frühestens 2027 ein Ergebnis. Der Bund hält weiterhin 12 Prozent an der Commerzbank.
Orlopp bleibt, Gesprächskanal zu Orcel offen
Vorstandschefin Bettina Orlopp schließt einen Rücktritt aus. Ihr Vertrag läuft bis 2029. Sie betont, die bisherige Abwehrstrategie sei nicht gescheitert.
Gleichzeitig zeigt sich Orlopp gesprächsbereit gegenüber UniCredit-Chef Andrea Orcel. Für eine vollständige Fusion beider Häuser braucht UniCredit 75 Prozent der Stimmen auf der Hauptversammlung. Diese Mehrheit hat der Bieter derzeit noch nicht. Weitere Unterstützung, etwa vom Bund, wäre dafür nötig.
Operatives Geschäft: Visa-Partnerschaft läuft weiter
Abseits des Übernahmestreits treibt die Commerzbank ihren Umbau im Kreditkartengeschäft voran. Seit Februar 2025 stellt das Institut sein Portfolio schrittweise um. Kunden erhalten künftig vermehrt Visa-Karten.
Mastercard-Produkte bleiben vorrangig im Premium-Segment. Dafür zahlen Kunden eine monatliche Gebühr von 12,90 Euro. Visa-Debitkarten sollen bis Ende 2025 eine Verbreitung von 21 Millionen Stück in Deutschland erreichen.
Kurs nahe Jahreshoch, Konjunktur liefert Rückenwind
Die Commerzbank-Aktie notiert bei 38,14 Euro. Das ist ein Plus von 0,93 Prozent gegenüber dem Vortag. Die Marktkapitalisierung liegt bei 41,02 Milliarden Euro.
Zum 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro vom 19. Juni fehlen nur 1,83 Prozent. Der Kurs liegt deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt von 36,88 Euro und dem 200-Tage-Durchschnitt von 34,40 Euro. Der RSI von 58 zeigt eine stabile Aufwärtsbewegung ohne Überhitzung.
Rückenwind liefert auch die Konjunktur. Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen verweist auf die Erholung der deutschen Industrieproduktion im Mai, ein Plus von 0,9 Prozent. Sinkende Ölpreise könnten die Belebung im zweiten Halbjahr 2026 zusätzlich stützen.
Für die Aktie zählt kurzfristig vor allem die juristische Entlastung. Die entscheidende Weichenstellung fällt aber erst mit dem EZB-Bescheid, frühestens 2027.
