Im Tauziehen um die Zukunft der Commerzbank rückt die Europäische Zentralbank in das Zentrum des Geschehens. Während die italienische Großbank UniCredit ihre Zugriffsmöglichkeiten auf das Frankfurter Institut massiv ausgebaut hat, entscheidet die Bankenaufsicht über den weiteren Fortgang.
Eine Entscheidung der Notenbank über die ausstehende Genehmigung wird im Oktober erwartet. Dieser Schritt bildet die formelle Voraussetzung für alle weiteren Pläne der Mailänder.
Geplanter Umbau an der Führungsspitze
Nach behördlichen Freigaben strebt UniCredit-Chef Andrea Orcel die Kontrolle über das Institut bis Ende Februar 2027 an, möglicherweise bereits im Januar. Wie die Financial Times berichtete, plant Orcel, die Machtverhältnisse über eine außerordentliche Hauptversammlung neu zu ordnen. Dabei beabsichtigt die UniCredit, sämtliche zehn Vertreter der Anteilseigner im 20-köpfigen Aufsichtsrat auszutauschen.
Damit zeichnet sich eine direkte Konfrontation mit der bisherigen Führung ab. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters will Orcel neben Aufsichtsratschef Jens Weidmann auch CEO Bettina Orlopp ablösen. Orlopp verfügt über einen laufenden Vertrag bis zum Jahr 2029. Zudem droht laut Medienberichten der Abbau von tausenden Arbeitsplätzen, sollte die Übernahme vollzogen werden.
An der Börse spiegeln sich die anhaltenden Spannungen wider. Die Aktie der Commerzbank schloss gestern bei 41,58 Euro, was einem Tagesverlust von 2,4 Prozent entspricht. Trotz dieser jüngsten Konsolidierung verbleibt das Papier mit einem Abschlag von 4,1 Prozent in unmittelbarer Reichweite seines 52-Wochen-Hochs.
Politischer Widerstand aus Berlin
Gegen diese Pläne regt sich vehementer Widerspruch der Bundesregierung. Deutschland hält 13,3 Prozent der Anteile und besetzt derzeit zwei Sitze im Aufsichtsrat. Finanzminister Lars Klingbeil pocht auf verbindliche Garantien aus Mailand. Zu den Kernforderungen zählt, dass die Commerzbank börsennotiert bleibt, ihren Hauptsitz in Frankfurt behält und wesentliche unternehmerische Entscheidungen weiterhin im Inland getroffen werden.
Die UniCredit wiederum verfügt bereits über den Zugriff auf nahezu 50 Prozent der Commerzbank-Aktien. Die Bankführung in Mailand erklärte, man begrüße den Dialog, lehne öffentliche Zusagen während laufender Gespräche jedoch ab. Ob Orcel die Bedingungen der Bundesregierung akzeptieren oder den Konflikt auf der Hauptversammlung suchen wird, dürfte sich nach dem anstehenden Votum der EZB zeigen.
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