Berlin macht Ernst. Die Bundesregierung hat am Montag bekräftigt, ihre rund 12-prozentige Beteiligung an der Commerzbank nicht zu verkaufen. Für UniCredit bedeutet das: Eine vollständige Übernahme bleibt vorerst unerreichbar.
Warum 12 Prozent so viel Macht haben
Für einen Squeeze-out — den zwangsweisen Ausschluss aller Minderheitsaktionäre — braucht UniCredit 90 Prozent der Stimmrechte. Davon ist die italienische Großbank weit entfernt. Aktuell hält sie 42,5 Prozent an der Commerzbank. Dieser Anteil setzt sich zusammen aus 26,77 Prozent direkt, 12,51 Prozent aus angedienten Aktien und 3,22 Prozent aus Finanzkontrakten. Nach geplanten Aktienrückkäufen der Commerzbank könnte der Anteil auf bis zu 44,33 Prozent steigen.
Ohne die Staatsanteile kann UniCredit die Commerzbank weder delisteten noch über einen Beherrschungsvertrag kontrollieren. Berlin begründet seine Haltung mit der Bedeutung der Bank für den deutschen Mittelstand und den Finanzplatz Frankfurt.
Tauschangebot läuft — Experte rät zum Abwarten
Die ursprüngliche Annahmefrist endete am 16. Juni. Nur 12,51 Prozent der Aktionäre haben das Angebot bislang angenommen. UniCredit hat eine weitere Frist bis zum 3. Juli gesetzt. Das Endergebnis erwartet der Markt am 8. Juli 2026.
Fondsmanager Dirk Sammüller von Greiff Special Situations rät Aktionären explizit davon ab, ihre Aktien anzudienen. Er spekuliert auf ein höheres Barangebot — weil UniCredit durch die Konsolidierung im italienischen Bankensektor unter Zugzwang stehe.
Orlopp gegen Orcel: Keine Einigung in Sicht
Ein Geheimtreffen zwischen Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und UniCredit-CEO Andrea Orcel Ende Mai brachte keine Annäherung. Drei Punkte bleiben strittig: die geforderte zweistellige Übernahmeprämie, das Auslandsnetzwerk der Commerzbank und möglicher Personalabbau. Die Commerzbank ist in 40 Ländern aktiv und wickelt einen erheblichen Teil des deutschen Außenhandels ab. Sie hält an ihrer Strategie „Momentum 2030″ fest und lehnt das Angebot strikt ab.
Die Aktie reagiert auf das Übernahmedrama mit Stärke. In den vergangenen zwölf Monaten legte sie rund 34 Prozent zu. Mit 37,90 Euro notiert sie knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro, das erst vergangene Woche erreicht wurde.
Am 8. Juli fällt das offizielle Ergebnis des Tauschangebots. Solange UniCredit kein deutlich verbessertes Angebot vorlegt, dürfte die Annahmequote niedrig bleiben — und Berlin seinen Trumpf in der Hand behalten.
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