Die Übernahmeschlacht um die Commerzbank spitzt sich zu. Am heutigen Mittwoch wird bekannt, dass der Bund einen Verkauf seiner verbliebenen Commerzbank-Anteile an UniCredit erwägt. Die Nachricht entfacht die Übernahmefantasie um die Frankfurter Bank neu und trifft die Aktie mit einem Kursrückgang von 1,4 Prozent auf 38,50 Euro.
Orlopp wehrt sich gegen Übernahmedruck
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp stellt sich in einem Brief an die Aktionäre gegen die wachsende Übernahmefantasie und wirbt um deren Vertrauen. Sie appelliert, sich von den Gerüchten um UniCredit nicht verunsichern zu lassen. Die Bank wolle ihre Unabhängigkeit wahren und an einer stabilen Dividendenpolitik festhalten.
Orlopp verteidigt zudem die Eigenständigkeit mit konkreten Zielen: Bis 2030 soll die Eigenkapitalrendite (RoTE) 21 Prozent erreichen, im ersten Quartal erzielte das Institut bereits einen operativen Gewinn von 1,36 Milliarden Euro.
Auf der Gegenseite drängt UniCredit-Chef Andrea Orcel auf Tempo. Er hält einen Deal im vierten Quartal 2026 für möglich. UniCredit kontrolliert nach eigenen Angaben inzwischen 48 Prozent der Commerzbank-Anteile, während der italienische Konzern eigentlich erst die 30-Prozent-Schwelle überschreiten wollte und dafür 470 Millionen neue Aktien für ein Angebot vorgesehen hatte.
Der deutsche Staat hält aktuell noch 12 Prozent – jener Anteil, dessen möglicher Verkauf nun im Raum steht und der über den Ausgang des Ringens entscheiden könnte.
Rückenwind erhält UniCredit von der eigenen Bilanz: Der Nettogewinn im zweiten Quartal lag bei 2,9 Milliarden Euro, die Prognose wurde angehoben. Das verschafft dem italienischen Institut finanziellen Spielraum, sein Angebot für die Commerzbank notfalls zu erhöhen oder den Zeitplan zu beschleunigen.
Anleger bleiben vorsichtig
Der Kursrückgang um 1,4 Prozent auf 38,50 Euro zeigt, dass die Anleger die neu entfachte Debatte zunächst mit Zurückhaltung quittieren. Über die vergangene Woche steht ein Minus von 2,2 Prozent, während das Papier auf Monatssicht mit 4,9 Prozent im Plus liegt.
Seit Jahresbeginn bringt es die Commerzbank-Aktie auf ein Plus von 6,7 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 40,11 Euro, erreicht im laufenden Monat, fehlen der Aktie derzeit vier Prozent.
Die Gemengelage am Gesamtmarkt trägt zur Zurückhaltung bei: Der DAX notiert nahezu unverändert um die Marke von 26.100 Punkten, während aus Asien eine Verkaufswelle bei Technologiewerten schwappt und die Anleiherenditen in der Eurozone hoch bleiben.
In diesem Umfeld dürfte die politische Dimension der Commerzbank-Frage – ein möglicher Bundesverkauf an einen ausländischen Großaktionär – für zusätzliche Nervosität unter den Investoren sorgen, zumal der Ausgang weiterhin offen ist.
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