Die UniCredit kontrolliert inzwischen rechnerisch rund 38 bis 39 Prozent der Commerzbank-Anteile — inklusive Derivaten und angedienter Aktien. Damit rückt die Mailänder Großbank nah an eine faktische Mehrheit heran. Und trotzdem kommt die Übernahme nicht voran.
Der Bund stellt sich quer
Der entscheidende Stolperstein ist die Bundesregierung. Sie hält rund 12 Prozent der Commerzbank-Anteile und hat das Tauschangebot der UniCredit offiziell abgelehnt. Das Bundesfinanzministerium begründet dies mit zwei Punkten: Die Offerte enthalte keine angemessene Prämie, und die Eigenständigkeit der Commerzbank sei für die Finanzierung des deutschen Mittelstands unverzichtbar.
Damit entzieht der Bund der UniCredit Zugriff auf einen der größten Aktienblöcke im Streubesitz. Eine vollständige Integration wird erheblich schwerer.
BaFin soll Andienungsverhalten prüfen
Das Commerzbank-Management hat die Finanzaufsicht BaFin eingeschaltet. Der Vorwurf: Die Aktien, die während der ersten Annahmephase angedient wurden, stammten überwiegend von Instituten, die in Geschäftsbeziehungen zur UniCredit stehen. Ob es sich dabei um unabhängige Entscheidungen freier Aktionäre handelte, bezweifeln Marktbeobachter.
Die UniCredit weist die Kritik als unbegründet zurück. Allerdings schafft die regulatorische Prüfung neue Unsicherheit — und belastet den strategischen Zeitplan der Italiener.
Kurs auf Allzeithoch, Aktionäre bleiben gelassen
An der Börse interessiert das alles wenig. Die Aktie markierte am Donnerstag mit 38,38 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Aktuell notiert sie bei 38,10 Euro, ein Plus von rund 35 Prozent gegenüber dem Stand vor zwölf Monaten. Der RSI liegt bei 62,6 — gesundes Momentum, noch kein überkauftes Territorium.
Investoren honorieren nicht nur die Übernahmefantasie. Auch die im Rahmen der „Momentum 2030″-Strategie angekündigten Effizienzmaßnahmen und die Dividendenpolitik stützen die Bewertung.
Zweite Annahmefrist ab 20. Juni
Der Übernahmepoker geht weiter. Am 20. Juni beginnt eine zusätzliche Annahmefrist, die bis zum 3. Juli läuft. Verbleibende Aktionäre können ihre Papiere in diesem Zeitraum noch einreichen.
Die entscheidende Variable ist jetzt die BaFin. Stellt sie Unregelmäßigkeiten fest, gerät das gesamte Andienungsvolumen unter Druck. Findet sie nichts, wächst der Druck auf UniCredit, das Angebot finanziell nachzubessern — sonst bleibt der Bund als Blockierer auf unbestimmte Zeit.
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