Der Übernahmekampf um die Commerzbank erreicht eine neue Eskalationsstufe. Kurz vor Ablauf der Annahmefrist schaltet der Gesamtbetriebsrat die Justiz ein. Der Vorwurf gegen die italienische Großbank UniCredit wiegt schwer. Es geht um mutmaßliche Marktmanipulation und Irreführung des Kapitalmarkts.
BaFin prüft Annahmequoten
Parallel zum Betriebsrat schlägt auch das Management der Commerzbank Alarm. Die Führungsebene meldete den Verdacht auf Unregelmäßigkeiten an die Finanzaufsicht BaFin. Die Behörde prüft nun formell die von UniCredit gemeldeten Annahmequoten. Die Italiener bieten aktuell 0,485 eigene Aktien für jedes Commerzbank-Papier.
Ein schlechtes Geschäft. Der Commerzbank-Kurs lag zuletzt durchgehend über diesem implizierten Angebotspreis. Die Differenz betrug rund sechs Prozent. Trotz dieser wirtschaftlich unlogischen Situation flossen Millionen von Papieren in das Tauschangebot. Die Commerzbank zweifelt die Herkunft dieser Aktien stark an.
Zweifel an den Investoren
UniCredit meldete zuletzt eine Annahmequote von knapp elf Prozent. Eigene Daten der Commerzbank zeichnen ein völlig anderes Bild. Das Institut konnte keinen einzigen institutionellen Investor identifizieren, der das Angebot angenommen hat. Auch bei Privataktionären lag die Quote unverändert bei marginalen 0,05 Prozent.
Die Schlussfolgerung der Frankfurter: Die angedienten Papiere stammen fast ausschließlich von Parteien aus dem direkten Umfeld der UniCredit. Diese hielten vor der Offerte keine wesentlichen Anteile. UniCredit weist die Vorwürfe strikt zurück und betont den transparenten Dialog mit der Aufsicht. Inklusive Derivaten könnte sich die Gesamtbeteiligung der Italiener auf über 54 Prozent belaufen.
Bund lehnt Verkauf ab
Am Aktienmarkt zeigt sich die Commerzbank unbeeindruckt. Das Papier schloss am Freitag bei 36,76 Euro und verbuchte ein Tagesplus von 1,63 Prozent. Damit notiert der Titel weiterhin über dem rechnerischen Angebotswert. Auch auf Jahressicht steht ein sattes Plus von fast 32 Prozent auf der Anzeigetafel.
Der deutsche Staat stützt den Kurs zusätzlich. Als zweitgrößter Aktionär mit gut zwölf Prozent Anteil lehnt der Bund einen Verkauf ab und fordert eine eigenständige Bank. Die Entscheidung fällt in Kürze. Am Dienstag, den 16. Juni, endet die reguläre Annahmefrist für das Angebot der UniCredit.
