Die Finanzaufsicht Bafin hat eine der stillen Figuren im Übernahmepoker um die Commerzbank zur Kasse gebeten. Die japanische Bank Nomura muss 320.000 Euro zahlen, weil sie Stimmrechtsmitteilungen zu spät übermittelt hat. Die Aktie gab am Dienstag im XETRA-Handel zeitweise knapp 2 Prozent auf 36,36 Euro nach.
Verspätete Meldungen im Mai und Juni
Nach dem Wertpapierhandelsgesetz müssen Aktionäre Emittent und Bafin binnen vier Handelstagen informieren, wenn sie bestimmte Stimmrechtsschwellen über- oder unterschreiten. Nomura hat das in den Monaten Mai und Juni 2026 nicht fristgerecht getan. Welche Meldungen die Behörde genau beanstandet, teilte sie nicht mit.
Nomura hatte am 7. Mai einen Anteil von 8,1 Prozent an der Commerzbank gemeldet, vorwiegend über Kaufoptionen in Form von Equity Swaps. Ein Sprecher erklärte, man kommentiere den Austausch mit den Aufsehern nicht, nehme die Einhaltung von Vorschriften aber sehr ernst.
Finanziell fällt die Strafe kaum ins Gewicht. Die Bafin könnte bis zu zehn Millionen Euro verhängen, und Nomura verdiente im Geschäftsjahr bis Ende März rund 2 Milliarden Euro. Die Nomura-Aktie in Japan gab dennoch um gut 2 Prozent nach.
Wer Orcel den Rücken stärkte
Brisanter ist der Kontext. Unicredit hatte sich bei mehreren Banken, darunter Nomura, über Kaufoptionen Stimmrechte gesichert. Inklusive solcher Derivate kommt die Italienerin auf 47,6 Prozent an der Commerzbank. Lange war unklar, wer Unicredit-Chef Andrea Orcel bei seinem einseitigen Vorstoß unterstützte.
Die Commerzbank hatte sich gegen die Übernahme gewehrt und die Bafin aufgefordert, das Vorgehen der Italiener zu prüfen. Der Vorwurf lautete, Unicredit könnte ihre Position in der öffentlichen Wahrnehmung künstlich aufgebläht haben. Die jetzige Strafe richtet sich allerdings nur gegen Nomura, nicht gegen Unicredit.
Kontrolle bis Jahresende in Sicht
Die EZB hat die Übernahme von Commerzbank-Anteilen im Rahmen des Tauschangebots bereits genehmigt. Die übrigen aufsichtsrechtlichen Verfahren sollen voraussichtlich gegen Jahresende abgeschlossen sein. Dann könnte Unicredit die Kontrolle übernehmen. Beide Banken sprechen inzwischen über einen möglichen Zusammenschluss.
Der Bund, der gut 13 Prozent hält, will betriebsbedingte Kündigungen bei den rund 40.000 Vollzeitkräften möglichst verhindern. Zudem soll die Commerzbank börsennotiert in Frankfurt bleiben und ihr Mittelstandsgeschäft fortführen. Die Analystenkursziele liegen laut jüngster Erhebung zwischen 38 und 42 Euro.
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