Der Widerstand der Bundesregierung gegen eine Komplettübernahme der Commerzbank durch UniCredit bekommt Risse. Hochrangige Vertreter der Berliner Regierung signalisieren nach einem Bloomberg-Bericht vom Dienstag Bereitschaft, über den Verkauf der 12,7-Prozent-Staatsbeteiligung zu sprechen – vorausgesetzt, es gibt eine Einigung über Strategie und Zukunft der Bank.
Käme dieser Deal zustande, würde UniCredit seine Position von derzeit rund 47,6 Prozent auf über 60 Prozent ausbauen und damit die Kontrolle übernehmen.
Die Aktie schloss am Dienstag bei 39,03 Euro, ein Rückgang von 1,1 Prozent gegenüber dem Vortag. Über sieben Handelstage steht ein Minus von 0,8 Prozent zu Buche – nachdem die Europäische Zentralbank am vergangenen Sonntag eine vorläufige Tendenz zur Genehmigung der UniCredit-Übernahme signalisiert hatte, konsolidiert der Kurs seither leicht. Eine endgültige Entscheidung der EZB steht weiterhin aus.
Gespräche zwischen Orlopp und Orcel laufen
Parallel zur politischen Debatte um die Staatsbeteiligung haben UniCredit-Chef Andrea Orcel und Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp im August erste formelle Gespräche aufgenommen.
Im Zentrum stehen die praktischen Implikationen eines möglichen Kontrollwechsels – von Bilanzierungsfragen über rechtliche Aspekte bis hin zum Risikomanagement. Aufsichtsratschef Jens Weidmann hatte bereits Ende Juli eingeräumt, dass die Kräfteverhältnisse eindeutig seien, und Bereitschaft zu einem konstruktiven Dialog signalisiert.
Diese Verschiebung markiert einen deutlichen Wandel gegenüber der Ausgangslage im Sommer, als das im Juli abgelaufene Übernahmeangebot von UniCredit nur verhaltenen Zuspruch fand.
Von den unabhängigen institutionellen Investoren und Privatanlegern hatten lediglich 2,7 Prozent ihre Aktien angedient, insgesamt kam UniCredit über die Andienung von 17,6 Prozent der Aktien auf einen Kapitalanteil von etwa 47,6 Prozent beziehungsweise knapp 49,65 Prozent der Stimmrechte.
Rekordzahlen als Verhandlungsbasis
Für Verhandlungen über die künftige Ausrichtung der Bank liefert die Commerzbank derzeit gute Argumente. Vor rund zwei Wochen hatte das Institut Rekordzahlen für das zweite Quartal vorgelegt: Der Nettogewinn stieg um 94 Prozent auf 898 Millionen Euro, das Halbjahresergebnis kletterte um 40 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro.
Seither hat sich der Kurs um 1,2 Prozent erholt. Die Bank bestätigte ihr Jahresziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro Nettogewinn und kündigte Aktienrückkäufe von bis zu 1,2 Milliarden Euro an, bei einer für 2026 prognostizierten Dividendenrendite von 4,03 Prozent.
Formal liegt der Übernahmeantrag von UniCredit inzwischen bei der EZB, nachdem die BaFin ihn Anfang August als vollständig eingestuft und weitergeleitet hatte. Der Aufsichtsbehörde stehen für ihre endgültige Entscheidung 60 Arbeitstage zur Verfügung, verlängerbar um bis zu 20 weitere Tage – ein Verfahren, das sich damit voraussichtlich bis in den Herbst zieht.
Für Anleger verdichten sich damit zwei Entwicklungsstränge: operative Stärke des Instituts und ein politisches Umfeld, das einer Übernahme zunehmend weniger im Weg steht. Ob die Bundesregierung ihre Beteiligung tatsächlich veräußert, hängt nach den bisherigen Signalen entscheidend davon ab, welche Zusagen UniCredit zu Standort, Beschäftigung und strategischer Ausrichtung der Bank macht.
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