Der Bund blockiert. UniCredit drückt trotzdem durch. Das Übernahmedrama um die Commerzbank erreicht eine neue Stufe — und ein Ende ist nicht in Sicht.
UniCredit nähert sich der 50-Prozent-Marke
Nach Ablauf der regulären Annahmefrist am 16. Juni hält UniCredit direkt 39,3 Prozent der Commerzbank-Aktien. Davon stammen 26,8 Prozent aus eigenem Bestand, weitere 12,5 Prozent wurden angedient.
Rechnet man Derivate und Kaufoptionen hinzu, steigt der potenzielle Einfluss auf 42,5 Prozent. Plant die Commerzbank zudem den Einzug eigener Aktien, würde sich der UniCredit-Anteil rechnerisch auf 44,33 Prozent erhöhen. Die 50-Prozent-Schwelle rückt näher — aber die Bundesregierung hält ihr Aktienpaket und macht eine Beherrschungsmehrheit faktisch unmöglich.
Ohne Zugriff auf die staatlichen Anteile sind ein Squeeze-out der Minderheitsaktionäre und ein Delisting der Commerzbank kaum realisierbar. Die Bundesregierung lehnt das Angebot ab und kritisiert das Vorgehen der Mailänder Bank als „aggressiv“. BaFin und EZB prüfen die gesamte Transaktion weiterhin.
Beschwerde und Gegenvorwürfe
Die Stimmung zwischen den Instituten ist vergiftet. Die Commerzbank hat offiziell Beschwerde bei der BaFin eingereicht. Der Vorwurf: „ungewöhnliches Andienungsverhalten“ — was auf Marktmanipulation hindeutet.
Konkret wirft die Commerzbank UniCredit vor, irreführende Daten kommuniziert zu haben. Die Akzeptanz des Angebots unter unabhängigen Aktionären sei kleiner dargestellt worden, als sie tatsächlich ist. UniCredit weist das entschieden zurück und besteht auf vollständiger Regelkonformität.
Das Commerzbank-Management hält an seiner Eigenständigkeit fest. Die „Momentum 2030″-Strategie, ursprünglich im Februar 2025 vorgestellt und im Mai 2026 fortgeschrieben, soll den Kurs vorgeben. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen Aktionären, das UniCredit-Angebot abzulehnen — es biete keine angemessene Prämie.
Kurs nahe Jahreshoch, Nachfrist läuft
Die Commerzbank-Aktie notiert bei 37,96 Euro und liegt damit knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro, das erst am 19. Juni markiert wurde. Über zwölf Monate hat das Papier rund 34 Prozent zugelegt — ein Kursanstieg, der die Übernahmefantasie deutlich widerspiegelt.
Bis zum 3. Juli 2026 läuft die gesetzliche Nachfrist. Aktionäre können ihre Anteile noch der UniCredit andienen. Das endgültige Ergebnis der Offerte erwartet der Markt für den 8. Juli 2026.
Steigt die Annahmequote in der Nachfrist nicht deutlich, muss UniCredit eine Rolle als dominanter Großaktionär ohne Entscheidungsmehrheit akzeptieren — auf unbestimmte Zeit. Das Tempo bestimmen dann EZB und BaFin.
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