Die Commerzbank-Aktie markiert heute ein neues 52-Wochen-Hoch bei 38,52 Euro. Das ist kein Zufall — hinter dem Kursanstieg von knapp fünf Prozent in der laufenden Woche steckt ein Übernahmekampf, der sich zunehmend um eine technische, aber entscheidende Frage dreht: Wie verlässlich sind UniCredits gemeldete Annahmequoten?
Total-Return-Swaps im Visier
UniCredit meldete per 16. Juni gültige Annahmeerklärungen für rund 139,9 Millionen Commerzbank-Aktien — etwa 12,4 Prozent des Grundkapitals. Hinzu kommt eine direkte Beteiligung von rund 26,8 Prozent. Zusammen überschreiten diese Positionen die angestrebte 30-Prozent-Marke.
Allerdings hält UniCredit zusätzlich bar abgerechnete Total-Return-Swaps über rund 13,2 Prozent des Grundkapitals. Diese Instrumente vermitteln keine Stimmrechte und geben keinen Anspruch auf Aktien — das betonte UniCredit selbst in der Meldung. Genau hier liegt der Streitpunkt.
Commerzbank hat die Aufsichtsbehörden um Prüfung des Derivateeinsatzes gebeten. Die Bank argumentiert, die angedienten Aktien stammten nahezu ausschließlich von Banken und Parteien mit UniCredit-Bezug. Keinen einzigen unabhängigen institutionellen Investor habe sie identifizieren können, der Aktien in nennenswertem Umfang angedient habe. Ferner verweist Commerzbank auf eine mehr als verzehnfachte Wertpapierleihe seit Angebotsankündigung.
UniCredit weist Kritik zurück
UniCredit hält dagegen. Die Bank erklärt, vollständig regelkonform gehandelt zu haben. Behauptungen, die angedienten Aktien seien wegen Wertpapierleihen niedriger zu bewerten, weist UniCredit zurück. Eigene Leihgeschäfte mit Commerzbank-Aktien habe man nicht vorgenommen. Auch UniCredit hat die strittigen Punkte der BaFin zur Prüfung vorgelegt.
Der Kern des Konflikts: Beide Seiten wenden sich an dieselbe Behörde — mit entgegengesetzten Darstellungen.
Frist läuft bis 3. Juli
Für Aktionäre läuft die weitere Annahmefrist voraussichtlich bis zum 3. Juli 2026. Den Vollzug des Angebots erwartet Commerzbank wegen ausstehender Genehmigungen nicht vor 2027.
Der Kurs notiert mit 13,4 Prozent Abstand über dem 200-Tage-Durchschnitt. Was den nächsten Schritt bestimmt, ist weniger die finale Annahmequote selbst — sondern wie BaFin und Investoren die Qualität dieser Quote am Ende bewerten.
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