Die Commerzbank hat ihre mittelfristige Gewinnprognose nach oben korrigiert – und trotzdem ging es mit der Aktie am Freitag deutlich bergab. Das Institut stellt nun einen Gewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro in Aussicht, nachdem zuvor eine Marke von mehr als 3,2 Milliarden Euro als Ziel galt. Zusätzlich kündigte die Bank an, den Aktionären für die Jahre 2026 bis 2028 eine Ausschüttungsquote von nahezu 100 Prozent zukommen zu lassen. Am Markt sorgte das dennoch nicht für Kauflaune: Der Titel schloss am Freitag bei 36,66 Euro und büßte 3,25 Prozent ein. Auf Wochensicht steht damit ein Minus von gut fünf Prozent zu Buche, auf 30-Tage-Sicht ein Rückgang von rund drei Prozent. Zum erst am 14. Juli markierten 52-Wochen-Hoch von 39,18 Euro fehlen der Aktie mittlerweile 6,43 Prozent. Der Blick auf den 200-Tage-Durchschnitt relativiert die jüngste Schwäche allerdings: Mit 34,59 Euro liegt dieser rund sechs Prozent unter dem aktuellen Kurs, was auf einen intakten längerfristigen Aufwärtstrend hindeutet.
UniCredit-Übernahme bleibt Belastungsfaktor
Der Kursrückgang fällt in eine Phase, in der die schwebende Übernahme durch UniCredit weiter im Fokus steht. Die italienische Großbank hält nach eigenen Angaben 44,37 Prozent der Commerzbank-Aktien, unter Einbeziehung von Derivaten kommt sie auf 47,59 Prozent. Die Annahmequote des Übernahmeangebots liegt bei 17,60 Prozent, wobei weniger als zwei Prozent auf unabhängige Investoren entfallen. Die tatsächliche Übernahme der angedienten Aktien soll allerdings erst 2027 vollzogen werden. Bis dahin sind zahlreiche Genehmigungen einzuholen: Kartellfreigaben werden unter anderem aus den USA, von der EU – dort wird eine Entscheidung bis November erwartet –, aus Serbien und aus Russland benötigt. Hinzu kommen Prüfungen aus Gründen der nationalen Sicherheit in Frankreich und den USA sowie Zustimmungen der Aufsichtsbehörden Bafin, EZB und Fed sowie der Regulatoren in Italien, Luxemburg, Polen und der Schweiz. Die Sanktionen gegen Russland gelten dabei als möglicher Stolperstein im gesamten Prozess.
Politisch hat sich die Lage zuletzt entspannt. Bundeskanzler Merz hatte bereits Mitte Juli signalisiert, den Zusammenschluss nicht verhindern zu wollen. Berlin bereitet nun konkrete Forderungen für die weiteren Gespräche mit UniCredit vor – im Zentrum stehen die Sicherung der Mittelstandsfinanzierung und der Erhalt des Bankstandorts Frankfurt. Der Bund selbst hält noch rund 12 Prozent an der Commerzbank.
Analysten bleiben trotz Kursdelle positiv gestimmt
An der grundsätzlich positiven Einschätzung der Analysten hat der jüngste Rücksetzer nichts geändert. Deutsche Bank Research bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 42 Euro, RBC stuft die Aktie mit Outperform ein und nennt ein Kursziel von 43 Euro – beide Ziele liegen damit über dem aktuellen Kursniveau. Zudem meldete Jefferies eine Veränderung seiner Beteiligung an dem Institut. Auf operativer Ebene treibt die Commerzbank ihre Digitalisierung voran und integriert nach vorliegenden Angaben Google Cloud Gemini sowie Microsoft 365 Copilot in ihre Arbeitsprozesse.
Richtungsweisend dürfte der 6. August werden: An diesem Tag legt die Bank ihre Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vor. Anleger werden dann genauer prüfen können, ob die angehobene Gewinnprognose auf soliden operativen Trends fußt oder ob der jüngste Kursrutsch – der technisch mit einem RSI von 42,8 eher auf eine neutrale bis leicht abgekühlte Marktstimmung hindeutet – bereits Vorbote schwächerer Geschäftszahlen ist.
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