17,6 Prozent Annahmequote meldet UniCredit für ihr Umtauschangebot. Die Commerzbank hält dagegen: Der Großteil davon soll aus geliehenen Aktien stammen. Am Wochenende eskaliert der Streit zwischen Frankfurt und Mailand.
Verdacht auf Einflussnahme durch Wertpapierleihe
Im Zentrum des Konflikts steht die finale Annahmequote des UniCredit-Angebots. Bis zum Fristende am 3. Juli 2026 wurden laut UniCredit 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient. Das Frankfurter Management widerspricht dieser Darstellung entschieden.
Die Commerzbank hat die Aktionärsstruktur intern geprüft und Daten von Verwahrstellen ausgewertet. Das Ergebnis: Weniger als 2 Prozent der angedienten Papiere stammen demnach von unabhängigen institutionellen oder privaten Anlegern. Die Bank äußert offiziell den Verdacht, dass Wertpapierleihe die Quote künstlich aufgebläht haben könnte.
Nach Angaben der Commerzbank kommen die angedienten Anteile überwiegend von Banken und Parteien, die eng mit der UniCredit verbunden sind. Unklar bleibt, wie viele Aktien durch Leihgeschäfte im Umlauf sind und ob Absicherungsvereinbarungen dahinterstehen. Genau das wirft aus Sicht des Frankfurter Vorstands Fragen zur echten Attraktivität des Angebots auf.
UniCredit nähert sich der 50-Prozent-Schwelle
Trotz der schwachen Resonanz bei unabhängigen Investoren hat UniCredit ihre faktische Machtposition massiv ausgebaut. Direkt gehaltene Anteile, angedienten Aktien und Zugriff über Derivate zusammengerechnet: Die Italiener kontrollieren nun zwischen 47 und knapp 50 Prozent der Stimmrechte.
Damit steht die Übernahme vor einer entscheidenden Hürde. Ob UniCredit die 50-Prozent-Marke überschreitet, hängt jetzt von der Zustimmung der Europäischen Zentralbank ab. Auch die EU-Wettbewerbshüter müssen zustimmen. Erst mit diesen Genehmigungen kann UniCredit die unternehmerische Kontrolle formal ausüben.
Aktie klopft an 10-Jahres-Hoch
An der Börse honorieren Investoren die defensive Haltung des Managements. Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 38,67 Euro, ein Plus von 2,41 Prozent zum Vortag. Auf Monatssicht steht ein Zuwachs von 7,06 Prozent, binnen zwölf Monaten sind es 33,34 Prozent.
Nur 0,46 Prozent trennen den Kurs vom 52-Wochen-Hoch bei 38,85 Euro – zugleich der höchste Stand seit über zehn Jahren. Die Marktkapitalisierung liegt bei 41,56 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Vor einem Jahr, am 18. Juli 2025, markierte die Aktie mit 28,08 Euro ihr 52-Wochen-Tief.
Auch charttechnisch bleibt das Bild stabil. Der Kurs notiert 4,84 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 36,89 Euro und 12,40 Prozent über der 200-Tage-Linie bei 34,40 Euro. Der RSI steht bei 61,7 – positive Dynamik, aber noch kein überkaufter Bereich.
Wochenausblick: Regulatorik im Zentrum
Für die kommende Handelswoche dürften Nachrichten aus dem regulatorischen Umfeld den Takt vorgeben. Anleger warten auf Signale der EZB, wie die Aufsicht den schnellen Machtzuwachs der UniCredit bewertet.
Parallel rückt die fundamentale Stärke der Commerzbank wieder in den Blick. Chefin Bettina Orlopp hält an der Strategie „Momentum 2030″ fest. Sie sieht für 2026 ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro vor. Solange keine formelle Übernahme vollzogen ist, bleibt zudem die geplante Ausschüttungsquote von mindestens 50 Prozent des Nettoergebnisses ein zentraler Stützpfeiler für den Kurs.
Der nächste Widerstand liegt unmittelbar beim 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro. Überschreitet die Aktie diese Marke nachhaltig, wäre der Weg für weitere Kursgewinne technisch frei. Auf der Unterseite bietet die Zone um 37,00 Euro erste Unterstützung.
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