Der Übernahmeversuch der UniCredit läuft nicht nach Plan — zumindest nicht nach dem Plan der Angreifer. Nach dem Ende der ersten Annahmefrist schlägt die Commerzbank juristisch zurück. Und die Aktie zeigt sich davon völlig unbeeindruckt.
Magere Annahmequote, große Zweifel
Die erste Annahmefrist endete am 16. Juni 2026 mit einem schwachen Ergebnis für UniCredit. Nur 12,51 Prozent der Commerzbank-Aktien wurden angedient — rund 141 Millionen Stück. Inklusive direkt gehaltener Anteile und Derivate kommt die UniCredit auf einen Gesamtzugriff von etwa 42,5 Prozent.
Das Commerzbank-Management zweifelt jedoch an der Aussagekraft dieser Zahl. Interne Analysen hätten keine substanziellen Andienungen von institutionellen Investoren ergeben. Die Schlussfolgerung: Ein Großteil der angedienten Aktien könnte aus dem Umfeld der UniCredit selbst stammen.
Der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank hat daraufhin Strafanzeige gegen UniCredit erstattet — wegen des Verdachts auf Marktmanipulation und Irreführung. Die Annahmefrist läuft nun bis zum 3. Juli 2026. Das endgültige Ergebnis folgt voraussichtlich am 8. Juli.
Eigenständigkeit als Strategie
Vorstand und Aufsichtsrat halten an ihrer Ablehnungsempfehlung fest. Das UniCredit-Angebot biete weder eine angemessene Prämie noch einen überzeugenden Integrationsplan, so die offizielle Begründung.
Untermauert wird diese Haltung durch starke Zahlen. Im ersten Quartal 2026 erzielte die Commerzbank ein Rekordergebnis und hob ihre Jahresziele an. Für 2026 peilt die Bank ein Nettoergebnis von mindestens 3,4 Milliarden Euro an. Bis 2030 soll die Eigenkapitalrendite auf 21 Prozent steigen. Rund 600 Millionen Euro fließen dabei in Künstliche Intelligenz, um die Kostenstruktur zu verbessern.
Aktie nahe Allzeithoch
Die Commerzbank-Aktie schloss am Freitag bei 38,33 Euro — nur 1,34 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro, das erst am 19. Juni erreicht wurde. Auf Jahressicht liegt das Plus bei knapp 39 Prozent.
Am 3. Juli endet die verlängerte Annahmefrist. Sollte die Beteiligung erneut gering ausfallen, gerät das gesamte UniCredit-Angebot unter erheblichen Druck — und die juristischen Auseinandersetzungen könnten das Verfahren noch deutlich verlängern.
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