Ein Minus von 2,72 Prozent auf der Anzeigetafel sieht im ersten Moment nach einem Rückschlag aus. Tatsächlich handelt die Commerzbank-Aktie am Donnerstag bei 36,17 Euro lediglich ihren Dividendenabschlag ab. Hinter den Kulissen tobt derweil eine ganz andere Auseinandersetzung. Das Management baut eine massive Verteidigungslinie gegen die italienische UniCredit auf.
Warnung vor Risiken aus Italien
Vorstandschefin Bettina Orlopp und Aufsichtsratschef Jens Weidmann nutzten die Hauptversammlung am Mittwoch für klare Worte. Sie wollen die Eigenständigkeit der Bank zementieren. Orlopp bezeichnete das Übernahmeangebot der Mailänder als vage. Sie warnte explizit vor den bilanziellen Gefahren einer Fusion.
Im Zentrum der Kritik stehen hohe Bestände an italienischen Staatsanleihen. Auch das fortbestehende Russland-Geschäft der UniCredit bereitet den Frankfurtern Sorgen. Diese Faktoren könnten die bislang stabile Kapitalbasis der Commerzbank in Krisenzeiten belasten. Weidmann warf der UniCredit obendrein eine irreführende Kommunikation vor.
Aktionäre stützen den Alleingang
Die Belegschaft teilt diese harte Haltung. Flankiert von Gewerkschaftsprotesten fürchten Arbeitnehmervertreter den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze. Auch die Aktionäre stellten sich hinter den Stand-alone-Kurs. Sie verabschiedeten sämtliche Tagesordnungspunkte mit großen Mehrheiten.
Damit ist der Weg frei für die Strategie „Momentum 2030“. Das Management plant eine deutlich höhere Eigenkapitalrendite bis zum Ende des Jahrzehnts. Parallel dazu schüttet das Institut nun die beschlossene Dividende von 1,10 Euro je Aktie aus. Das Geld fließt in wenigen Tagen auf die Konten der Anleger.
Börsenkurs schlägt Angebotspreis
Trotz des heutigen Dividendenabschlags zeigt sich die Aktie fundamental robust. Auf Jahressicht verzeichnet das Papier ein Plus von knapp 39 Prozent. Ein RSI-Wert von 81 signalisiert aktuell sogar eine überkaufte Marktsituation. Das starke erste Quartal mit einem operativen Ergebnis von 1,4 Milliarden Euro stützt diese Bewertung.
Das Tauschangebot der UniCredit verliert dadurch an Attraktivität. Die Italiener bieten 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Anteil. Damit bewerten sie das Frankfurter Institut aktuell deutlich unter dem Börsenkurs. Die offizielle Annahmefrist läuft noch bis Juni.
Die Commerzbank-Führung fordert ihre Aktionäre weiterhin auf, keine Stücke einzureichen. Solange der eigene Aktienkurs das Angebot aus Mailand übersteigt, hat das Management das stärkste Argument auf seiner Seite.
