Ein Prozent. So viele unabhängige Commerzbank-Aktionäre haben laut eigener Darstellung des Instituts das Umtauschangebot der UniCredit angenommen. Die Zahl wirkt mickrig — und doch kommen die Italiener auf eine Gesamtposition von rund 38 bis 41 Prozent. Diese Diskrepanz treibt den Markt aktuell um.
Die Rechnung der UniCredit
Die extrem niedrige Zustimmungsquote bezieht sich auf die verlängerte Annahmefrist. Diese lief am 3. Juli 2026 aus. Fast alle freien Aktionäre halten demnach an ihren Commerzbank-Anteilen fest.
Die hohe Gesamtbeteiligung der UniCredit kommt anders zustande. Sie speist sich aus Anteilen der regulären Frist, der bestehenden Beteiligung und zusätzlichen Finanzinstrumenten. Wie viel aus der jetzt beendeten zweiten Runde hinzukommt, ist noch offen. Das dürfte für die Kursreaktion wichtiger werden als die reine Ein-Prozent-Marke. UniCredit will das offizielle Ergebnis am Mittwoch, den 8. Juli 2026, veröffentlichen.
Kontrollmehrheit heißt nicht Vollzug
Selbst ein rechnerisch hoher Stimmrechtsanteil würde die Übernahme nicht automatisch besiegeln. Laut Angebotsunterlage rechnet UniCredit selbst erst 2027 mit dem Abschluss, spätestens zum 2. Juli 2027. Der Grund: Zahlreiche Aufsichtsbehörden müssen dem Zusammenschluss noch zustimmen.
Am Angebot selbst ändert sich nichts. UniCredit bietet 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Anteil, eine Barkomponente gibt es nicht. Damit hängt der Wert der Offerte direkt von der Kursentwicklung beider Institute ab.
Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank lehnen das Angebot weiter ab. Sie verweisen auf die fehlende Kontrollprämie und die eigene Wachstumsstrategie. Rückendeckung kommt auch aus Berlin: Die Bundesregierung hat sich bereits gegen das Vorgehen der Italiener positioniert.
Kurs pendelt nahe am Jahreshoch
Die Commerzbank-Aktie notiert aktuell bei 38,20 Euro, ein Plus von 0,53 Prozent. Der Kurs liegt damit nur 1,67 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 38,85 Euro vom 19. Juni 2026. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Gewinn von 5,26 Prozent zu Buche, über zwölf Monate hat sich das Papier um mehr als ein Drittel verteuert.
Der RSI von 61 zeigt keine Überhitzung. Das Papier notiert außerdem knapp 4 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 36,74 Euro — ein Zeichen für den intakten Aufwärtstrend der vergangenen Wochen.
Nach der Bekanntgabe des Annahmeergebnisses am Mittwoch richtet sich der Blick der Anleger auf operative Zahlen. Die Commerzbank hält an ihrer Wachstumsstrategie fest und hatte ihre Gewinnprognose zuletzt angehoben. Fällt die Annahmequote am Mittwoch erneut niedrig aus, dürfte das die Verhandlungsposition der Frankfurter Führung stärken. Am grundsätzlichen Zeitplan ändert das nichts: Wegen der ausstehenden Regulierungsfreigaben bleibt der Übernahmeprozess ein Vorhaben mit Zieldatum frühestens Mitte 2027.
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