Coinbase meldet für das dritte Quartal einen bereinigten Nettogewinn von 719 Millionen Dollar. Das sind 66 Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Gewinnsprung speist sich allerdings weniger aus dem Kerngeschäft als aus dem Kryptoportfolio des Konzerns.
Gewinn dank Bitcoin-Erholung
Je Aktie verdiente Coinbase 2,51 Dollar. Ob das über der Analystenschätzung von 6 Cent liegt, ist angesichts der unterschiedlichen Gewinndefinitionen schwer einzuordnen. Der Umsatz von 1,20 Milliarden Dollar verfehlte dagegen die Erwartung von 1,233 Milliarden Dollar.
Den Ausschlag beim Ergebnis gab der Wert der eigenen Krypto-Bestände. Bitcoin legte im Quartal bis Ende September um 39 Prozent zu, aktuell notiert die Kryptowährung bei rund 80.809 Dollar. Solche Bewertungsgewinne können in beide Richtungen kräftig schwanken, auch wenn sich die Zusammensetzung des Portfolios kaum ändert.
Abkehr vom reinen Krypto-Handel
Strategisch treibt Coinbase den Umbau zur breiteren Handelsplattform voran. Im Juli kündigte Produktchef Max Branzburg eine „Everything Exchange“ an. Sie soll tokenisierte Aktien und andere reale Vermögenswerte, Derivate, Prognosemärkte und frühe Token-Verkäufe bündeln. Anfang Oktober folgte „Coinbase for Agents“: Nutzer können damit KI-Agenten wie ChatGPT zur Portfolioverwaltung, Recherche und zum Handel einsetzen.
Besonders dynamisch entwickeln sich die Prognosemärkte. Das Angebot an Event-Kontrakten wurde ausgeweitet, die Zahl der Händler stieg gegenüber dem zweiten Quartal um 60 Prozent. Auf Jahresbasis liegt der Umsatz in diesem Segment bei mehr als 200 Millionen Dollar. Verglichen mit dem Gesamtumsatz bleibt das ein kleiner Posten, doch die Wachstumsrate zeigt, wohin die Reise geht.
Branchenumfeld mit Unruhe
Zusätzliche Nervosität kommt aus der Branche. Bei der Konkurrenzbörse Binance meldeten Datenanalysten verdächtige Abflüsse in Milliardenhöhe. Binance bestätigte bislang keinen Hackerangriff, prüft die Berichte aber nach eigenen Angaben mit Hochdruck. Tether und Circle froren zusammen knapp 1,8 Milliarden Dollar an Stablecoins ein, der BNB-Token gab um mehr als 5 Prozent nach.
Coinbase ist von dem Vorfall nicht direkt betroffen. Ein Vertrauensverlust in zentralisierte Börsen könnte jedoch die Stimmung im gesamten Sektor belasten. Für Coinbase zählt nun, ob die Diversifizierung die Abhängigkeit von Handelsvolumen und Bitcoin-Kurs in den kommenden Quartalen spürbar senkt. Der Umsatz im Prognosemarkt-Geschäft ist dafür der erste messbare Gradmesser.
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