Citizens JMP-Analyst Devin Ryan hat sein Kursziel für Coinbase am Donnerstag von 400 auf 355 US-Dollar gesenkt — und hält dennoch an der Kaufempfehlung „Market Outperform“ fest. Ein Widerspruch? Nicht ganz. Hinter der Revision steckt eine nüchterne Einschätzung zum laufenden Quartal, während das Unternehmen gleichzeitig auf mehreren Fronten expandiert.
Schwacher Quartalsbeginn als Treiber der Revision
Der Hauptgrund für die Kurszielkürzung liegt in einer deutlich vorsichtigeren Erwartung für das erste Quartal 2026. Citizens JMP rechnet mit einem bereinigten EBITDA von 292 Millionen US-Dollar — rund 38 Prozent unter dem Marktkonsens von 469 Millionen Dollar. Hintergrund ist eine anhaltende Flaute im Kryptohandel: geringere Handelsvolumina, gedämpfte Stimmung im Sektor.
Das passt zum schwachen Abschluss des Vorjahres. Im vierten Quartal 2025 verfehlte Coinbase mit einem Gewinn je Aktie von 0,66 Dollar die Erwartungen von 0,83 Dollar. Der Umsatz von 1,78 Milliarden Dollar lag zudem 21,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Als stabiler Pfeiler gilt derzeit vor allem das institutionelle Handelsgeschäft.
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Regulatorische Wende und globale Expansion
Parallel zur Analystenrevision vollzog CEO Brian Armstrong am Donnerstag eine bemerkenswerte Kehrtwende: Er sprach sich öffentlich für den Digital Asset Market Clarity Act (CLARITY Act) aus — nachdem Coinbase zuvor Bedenken wegen möglicher Verbote von Stablecoin-Renditen geäußert hatte. Den Ausschlag gab offenbar ein Bericht des White House Council of Economic Advisors, der ebenfalls am Donnerstag veröffentlicht wurde. Darin heißt es, ein Verbot von Stablecoin-Renditen würde das Bankensystem kaum belasten — die Kreditvergabe würde lediglich um rund 2,1 Milliarden Dollar oder 0,02 Prozent steigen.
Beim Ausbau der Infrastruktur macht Coinbase ebenfalls Fortschritte. Am 7. April erhielt das Unternehmen eine australische Finanzdienstleistungslizenz (AFSL), die den Zugang zum australischen Superannuation-Markt mit einem Volumen von 4,5 Billionen australischen Dollar eröffnet. In den USA liegt zudem eine vorläufige Genehmigung der Bankenaufsicht OCC für eine nationale Trust-Gesellschaft vor — ein Schritt, der regulierte Verwahrungsdienstleistungen für institutionelle Anleger ermöglichen soll.
Die Aktie notiert aktuell rund 39 Prozent unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts und hat seit Jahresbeginn fast 30 Prozent an Wert verloren. Das neue Kursziel von 355 Dollar lässt ausgehend vom aktuellen Kurs dennoch erhebliches Aufwärtspotenzial — sofern sich Handelsvolumina und Marktstimmung im weiteren Jahresverlauf erholen.
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