Zwei Lesarten, ein Quartal: Coinbase meldet einen kräftigen Gewinnsprung, während Morgan Stanley die Aktie auf „Underweight“ abstuft. Hinter dem Widerspruch steckt eine Bilanz, die stärker von Bewertungseffekten lebt als vom operativen Geschäft.
Gewinn dank Bewertungseffekten
Der Nettogewinn stieg im dritten Quartal um 66 Prozent auf 719 Millionen Dollar. Der Umsatz lag bei 1,22 Milliarden Dollar, nahezu unverändert zum Vorquartal, aber 35 Prozent unter dem Vorjahr.
Den Gewinnsprung erklären vor allem Bewertungsgewinne auf gehaltene Krypto-Vermögenswerte. Sie summierten sich auf 715 Millionen Dollar, nach 424 Millionen im Vorjahreszeitraum. Das Kerngeschäft lieferte weniger: Das Spot-Handelsvolumen fiel gegenüber dem Vorquartal um acht Prozent, weil sich Privatanleger bei schwankenden Kursen zurückhielten.
Neue Geschäftsfelder gewinnen Gewicht
Dafür wächst die Sparte für Prognosemärkte rasant. Ihre annualisierten Erlöse überschritten 200 Millionen Dollar und haben sich damit binnen eines Quartals verdoppelt. Konzernchef Brian Armstrong spricht von einem der am schnellsten wachsenden Produkte der Firmengeschichte.
Auch beim Derivatehandel hielt sich Coinbase besser als der Markt. Das Volumen sank um sieben Prozent, der Gesamtmarkt schrumpfte um elf Prozent. Stablecoin-Erlöse legten um drei Prozent auf 328 Millionen Dollar zu. Abonnements und Dienstleistungen steuern inzwischen fast die Hälfte der Nettoeinnahmen bei. Finanzchefin Alesia Haas sieht darin mehr Widerstandskraft über Marktzyklen hinweg.
Morgan Stanley setzt den Rotstift an
Die Großbank zeigt sich unbeeindruckt. Analyst Michael Cyprys senkte das Kursziel auf 120 Dollar nach zuvor 258 Dollar. Er begründet das mit schwächeren Handelstrends, einem trüberen Umsatzausblick und Unsicherheit nach dem Sicherheitsvorfall bei Binance. Coinbase war davon nicht direkt betroffen. Cyprys sieht aber das Risiko, dass das Vertrauen in zentralisierte Plattformen leidet und Regulierer genauer hinschauen.
Die Transaktionserlöse bis Ende Oktober deuten laut Morgan Stanley auf ein viertes Quartal, das rund 50 Prozent unter der bisherigen Schätzung der Bank liegt.
Die Prognosen für 2027 und 2028 kürzte das Haus beim Umsatz um 28 beziehungsweise 18 Prozent. Der Privatanleger-Handel macht weiter etwa 40 Prozent der erwarteten Erlöse für 2027 aus. Die Diversifizierung greift demnach noch nicht weit genug.
Andere Häuser sind optimistischer. Bernstein bestätigt „Outperform“ mit einem Kursziel von 250 Dollar, William Blair sieht den fairen Wert bei etwa 240 Dollar. Die Spanne von 120 bis 250 Dollar zeigt, wie gespalten das Analystenbild ist. Entscheidend ist die Frage, ob Prognosemärkte und Derivate die Schwäche im Privatkundenhandel schnell genug ausgleichen. Das vierte Quartal wird dafür der erste Test.
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