Der Netzwerkausrüster Cisco blickt trotz eines aktuell volatilen Marktumfelds optimistisch in die Zukunft. CEO Chuck Robbins prognostiziert einen neuen Investitionszyklus, den er als „Mythos-Effekt“ bezeichnet. Während die Aktie heute um 0,9 % auf 95,55 € nachgibt, liefern die Ergebnisse des vierten Quartals und die Wachstumszahlen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) eine starke fundamentale Basis.
KI-Modelle erzwingen Erneuerung der Netzwerkinfrastruktur
Hinter dem Begriff des „Mythos-Effekts“ verbirgt sich eine sicherheitsgetriebene Austauschwelle von Hardware. Laut Robbins führen fortschrittliche KI-Modelle wie „Mythos“ von Anthropic dazu, dass Schwachstellen in älteren, nicht mehr unterstützten Netzwerkgeräten wesentlich schneller entdeckt werden. Dies zwinge Unternehmen dazu, ihre Infrastruktur früher als geplant zu modernisieren, wobei die Upgrades oft direkt aus den Sicherheitsbudgets finanziert würden. Robbins sieht darin den Beginn eines Superzyklus, der zusätzlich durch die Anforderungen von Quantencomputing und KI-Anwendungen befeuert wird.
Dass Cisco selbst massiv auf KI setzt, zeigt die operative Effizienz: Im vergangenen Jahr wurden bereits 145.000 Support-Fälle durch KI-Systeme gelöst. Zudem verzeichnete das Tool „Circuit“ allein im vierten Quartal rund 75 Millionen Prompts. Diese technologische Durchdringung spiegelt sich auch in den Auftragsbüchern wider. Die Produktbestellungen stiegen im Jahresvergleich um 35 %, wobei das Segment Networking ein Umsatzplus von 28 % erzielte.
Starke Kennzahlen und optimistischer Ausblick für 2027
Im abgelaufenen vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 konnte Cisco die Erwartungen der Analysten übertreffen. Der Umsatz kletterte um 18 % auf 17,3 Milliarden USD, während der bereinigte Gewinn pro Aktie bei 1,22 USD lag. Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft mit KI-Infrastruktur.
Hier beliefen sich die Aufträge im vierten Quartal auf 4 Milliarden USD, was das Gesamtvolumen für das Geschäftsjahr 2026 auf 9,3 Milliarden USD hob. Für das kommende Geschäftsjahr 2027 peilt das Management einen KI-spezifischen Umsatz von 7,5 Milliarden USD an.
Die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr 2027 fällt ebenfalls robust aus. Cisco erwartet einen Gesamtumsatz zwischen 72,2 Milliarden und 73,4 Milliarden USD. Der bereinigte Gewinn je Aktie wird in einer Spanne von 5,05 bis 5,11 USD gesehen.
Trotz dieser Wachstumszeichen sank die Bruttomarge leicht von 68,4 % im Vorjahr auf nun 66,3 %, was unter anderem auf den Fokus auf margenschwächere Hardware-Erstausstattungen im KI-Bereich zurückzuführen ist.
Analysten sehen deutliches Kurspotenzial
An der Börse wird das Papier derzeit durch einen allgemeinen Ausverkauf im Technologiesektor belastet, der am Dienstag durch steigende Anleiherenditen ausgelöst wurde. Das Papier notiert aktuell 15 % unter seinem 52-Wochen-Hoch. Dennoch bleibt die Stimmung unter Experten positiv.
Die Analysten der Bank of America sowie des Analysehauses Argus bestätigten ihre Kaufempfehlungen und rufen jeweils ein Kursziel von 150 USD auf. Sie verweisen dabei auf die starke Dynamik bei den Hyperscalern und die steigende Profitabilität durch den Software-Fokus.
Zuletzt gab es Meldungen über Insiderverkäufe durch Mitglieder der Führungsriege. So veräußerten CEO Chuck Robbins und die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dev Stahlkopf Mitte August Aktienpakete.
Solche Transaktionen sind jedoch häufig Teil automatisierter Verkaufspläne und änderten nichts an den positiven Einschätzungen der großen Bankhäuser, die den Konsens weiterhin bei „Moderate Buy“ sehen. Cisco schüttet zudem eine Quartalsdividende von 0,42 USD je Aktie aus, was die Attraktivität für wertorientierte Anleger unterstreicht.
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