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Circus: Produktionsstandort um 60 % erweitert

Circus SE halbiert Fertigungszeit des Kochroboters CA-1 und peilt Jahreskapazität von 1.000 Einheiten an. Aktie reagiert mit Kursplus.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Fertigungszeit auf vier Wochen gesenkt
  • Jahreskapazität von 1.000 Einheiten geplant
  • Verhandlungen mit über zehn NATO-Staaten
  • Fokus auf Software-Lizenzen und Leasingmodell

Die operativen Fortschritte stehen in hartem Kontrast zur langfristigen Kursentwicklung. Während die Aktie der Münchener Circus SE auf Jahressicht fast die Hälfte ihres Wertes einbüßte, zieht das Unternehmen auf Werksebene das Tempo massiv an. Das aktuelle Update für das erste Quartal 2026 zeigt eine deutliche Beschleunigung bei der Fertigung des autonomen Kochsystems CA-1.

Am Markt kommt die Entwicklung gut an. Der Kurs kletterte am heutigen Donnerstag auf 8,40 Euro. Auf Monatssicht steht damit ein sattes Plus von rund 41 Prozent auf der Anzeigetafel. Anleger reagieren sichtlich auf die operativen Signale aus München.

Fertigungszeiten halbiert

Gemeinsam mit dem Fertigungspartner Celestica baute Circus den Produktionsstandort im Auftaktquartal kräftig aus. Die Fläche wuchs um mehr als die Hälfte. Wichtiger ist jedoch die Effizienz: Ein CA-1-Roboter benötigt nun rund vier Wochen in der Herstellung. Zuvor dauerte dieser Prozess noch acht Wochen.

Durch Mehrschichtbetrieb peilt das Management eine Jahreskapazität von bis zu 1.000 Einheiten an. Zusätzliche Investitionen in neue Gebäude sind dafür laut Unternehmensangaben nicht nötig. Parallel dazu verbesserte sich die Systemstabilität der aktuell 17 eingesetzten Roboter. Die Betriebszeit stieg im April auf über 90 Prozent.

Währenddessen sinkt der Aufwand für den Menschen. Das Personal muss pro Einheit täglich nur noch etwa anderthalb Stunden eingreifen, um die Produktion hunderter Mahlzeiten am Laufen zu halten. Diese Effizienzsteigerung bildet die Basis, um das System für B2B-Kunden rentabel zu machen.

Militär-Aufträge und KI-Forschung

Ein weiterer Wachstumstreiber kristallisiert sich im Verteidigungssektor heraus. Nach ersten Einsätzen bei der Bundeswehr und einem Auftrag aus Litauen führt Circus derzeit Verhandlungen mit mehr als zehn weiteren NATO-Staaten.

Um die zugrundeliegende Technologie weiter zu schärfen, trat das Unternehmen am Mittwoch dem Entrepreneurship-Programm des ETH AI Center bei. In diesem Netzwerk forscht Circus neben Branchengrößen wie Google an der sogenannten „Embodied AI“ – der künstlichen Intelligenz, die Roboter in komplexen Umgebungen steuert.

Fokus auf Software und Lizenzen

Im weiteren Jahresverlauf will das Management die wiederkehrenden Umsätze in den Mittelpunkt rücken. Software-Lizenzen für die Plattform „CircusAI“ und Service-Verträge sollen künftig verlässliche Erlöse generieren. Ein neu eingeführtes Leasingmodell senkt derweil die Einstiegshürden für Neukunden, da hohe Vorabinvestitionen entfallen.

Den nächsten strategischen Schritt markiert die Integration des belgischen Food-Robotik-Unternehmens Alberts. Dieser Zukauf soll bis Ende des zweiten Quartals 2026 abgeschlossen sein. Mit kompakteren Systemen zielt Circus dann auf kleinere Flächen im Einzelhandel ab, um neue Käuferschichten zu erschließen.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.