Statt der ursprünglich veranschlagten 55 Millionen Euro rechnet der Robotik-Spezialist nun nur noch mit 5 Millionen Euro Umsatz. Die Nachricht löste einen Kurssturz von rund 50 Prozent aus und markiert den vorläufigen Tiefpunkt einer ohnehin schon turbulenten Woche für die Aktie.
Am Freitag schloss das Papier bei 2,15 Euro, ein Minus von 13,63 Prozent an einem einzigen Handelstag. Auf Wochensicht hat sich der Kurs mehr als halbiert, das Minus beläuft sich auf 54,96 Prozent. Die Marktkapitalisierung ist auf 57,21 Millionen Euro geschrumpft. Der Relative-Stärke-Index von 14,0 signalisiert eine deutlich überverkaufte Aktie, auch wenn technische Indikatoren angesichts der fundamentalen Nachrichtenlage derzeit in den Hintergrund treten.
Skalierungsprobleme als Kernproblem
Als Grund für die massive Prognosekürzung nannte Circus Skalierungsprobleme bei der Integration und Wartung seiner Robotersysteme. Bereits am 15. Juli hatte das Unternehmen in einer Ad-hoc-Mitteilung angekündigt, den Fokus stärker auf operative Skalierbarkeit sowie auf Aufträge aus dem Verteidigungssektor und der Gemeinschaftsverpflegung zu legen. Hintergrund war demnach, dass die bisherige Kostenstruktur bei der Anschaffung der Roboter nicht durch laufende Erlöse gedeckt werden konnte – ein strukturelles Problem, das nun in der drastischen Zahlenkorrektur mündet.
Um die Transformation von der Entwicklungsphase hin zur industriellen Serienproduktion operativ zu steuern, hatte Circus bereits Anfang Juli einen neuen Co-CEO und CFO berufen. Die Personalie stammt aus der Luftfahrt- und Automobilbranche, ihr Name wurde bislang nicht öffentlich genannt. Die Berufung fällt damit in eine Phase, in der das Unternehmen offenbar erkannt hatte, dass die operative Basis für die bisherigen Wachstumsziele nicht trägt.
Verteidigungssektor und internationale Expansion als Hoffnungsträger
Parallel zu den finanziellen Rückschlägen treibt Circus seine internationale Ausrichtung voran. Am 16. Juli startete der Live-Betrieb der autonomen Verpflegungstechnologie CA-M für die 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Bodentruppen im Raum Kiew. Der Einsatz erfolgt im Rahmen einer Vereinbarung über bis zu 25 Systeme, nachdem der ukrainische Dienst für Lebensmittelsicherheit die notwendige Zertifizierung erteilt hatte. Der Verteidigungssektor gilt damit als einer der Bereiche, auf die sich Circus nach eigener Aussage künftig stärker konzentrieren will.
Auch im Nahen Osten expandiert das Unternehmen: Anfang Juli erhielt Circus die regulatorische Zulassung für die Vereinigten Arabischen Emirate und startete den kommerziellen Rollout der CA-1-Systeme in Abu Dhabi. Zudem vollzog das Unternehmen die Übernahme des belgischen Food-Robotik-Unternehmens Alberts, mit der das Produktportfolio um kompakte, platzsparende Robotiklösungen für den europäischen Markt erweitert werden soll.
Ob diese strategischen Schritte ausreichen, um die massive Diskrepanz zwischen ursprünglicher und aktualisierter Umsatzprognose zu kompensieren, bleibt angesichts der eingeräumten Skalierungsprobleme bei der Kerntechnologie offen. Die Marktreaktion mit einem Kurssturz von rund 50 Prozent zeigt, wie stark das Vertrauen der Anleger in die bisherige Wachstumsstory erschüttert wurde.
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