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Circus Aktie: Rollout auf 50 Roboter gekappt

Circus SE kappt Umsatzprognose drastisch und reduziert Roboter-Rollout, was den Aktienkurs um über 66 Prozent einbrechen lässt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatzprognose drastisch gesenkt
  • Roboter-Auslieferungen stark reduziert
  • Kursziel von Analysten massiv gekürzt
  • Hauptversammlung als nächster Prüfstein

Die Circus SE hat ihre Wachstumspläne für 2026 faktisch beerdigt. Was noch vor wenigen Wochen als ambitionierter Rollout für autonome Küchenroboter galt, schrumpft nun auf einen Bruchteil der ursprünglichen Größenordnung. Die Aktie notiert am Freitag bei 1,80 Euro und hat innerhalb von 30 Tagen rund 66,25 Prozent an Wert verloren. Der RSI-Indikator steht bei 16,7 und signalisiert eine deutlich überverkaufte Marktlage.

Roboter-Rollout von 300 auf 50 Einheiten gekappt

Am Mittwoch vergangener Woche revidierte Circus SE seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr drastisch. Statt der zuvor in Aussicht gestellten 44 bis 55 Millionen Euro rechnet das Unternehmen nun nur noch mit 5,2 Millionen Euro Umsatz. Auch beim bereinigten EBITDA fällt die Korrektur heftig aus: Statt eines Verlusts von 6 bis 8 Millionen Euro erwartet Circus nun ein Minus von 17 Millionen Euro. Als Grund nennt das Unternehmen die Reduzierung der geplanten Roboter-Auslieferungen von bis zu 300 auf nun 50 Einheiten. Die Systemzuverlässigkeit habe Vorrang vor der schnellen Skalierung, teilte das Unternehmen mit. Der Kurs war bereits zwischen dem 15. und 19. Juli um rund die Hälfte eingebrochen, Medienberichten zufolge als direkte Reaktion auf die vorab durchgesickerte Rücknahme der Wachstumsziele.

Analysten kappen Kursziele massiv

Baader Bank reagierte am Mittwoch mit einer drastischen Reduzierung ihres Kursziels von 19,00 auf 3,00 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Kaufen“. Bereits am 20. Juli hatte Montega die Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ zurückgestuft, nachdem die operativen Prognosen für das laufende Jahr deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen gelegen hatten. Weitere Häuser zogen zuvor bereits nach unten nach: Ein Analysehaus senkte sein Kursziel Mitte der letzten Julihälfte auf 8,40 Euro, ein weiteres bestätigte kurz zuvor noch eine spekulative Kaufempfehlung mit demselben Kursziel und verwies auf Herausforderungen im Ökosystem bei gleichzeitig langfristigem Potenzial durch die Unit-Economics der Systeme. Diese Einschätzungen datieren jedoch aus der Zeit vor der offiziellen Prognosekürzung und spiegeln die aktuelle Lage nicht mehr wider.

Inmitten des Kursverfalls kaufte Vorstandsmitglied Dr. Jan-Christian Heins am 20. Juli im Rahmen einer Eigengeschäftsmeldung Aktien des Unternehmens zu. Solche Insiderkäufe werden von Anlegern häufig als Vertrauenssignal gewertet, ändern an der fundamentalen Neubewertung durch die Analysten aber wenig.

Führungswechsel und Expansion trotz Krise

Parallel zur Prognosekrise baut Circus SE sein Geschäft weiter aus. Anfang Juli schloss das Unternehmen die Übernahme des belgischen Food-Robotik-Spezialisten Alberts final ab und erweiterte damit sein Portfolio im Bereich automatisierter Mahlzeitenzubereitung. Zudem erhielt Circus die ECAS-Zertifizierung für den Betrieb des „CA-1 Series 4“-Küchensystems in den Vereinigten Arabischen Emiraten und ist damit nach eigenen Angaben der erste zugelassene Anbieter für autonome Lebensmittel-Robotik in der Region. Mitte Juli meldete das Unternehmen zudem den operativen Start einer Zusammenarbeit mit ukrainischen Bodentruppen, bei der autonome Systeme zur Versorgung eingesetzt werden.

An der Spitze kommt es ebenfalls zu Veränderungen: Ein bislang nicht namentlich benannter Experte aus der Luftfahrt- und Automobilindustrie übernimmt die Rolle als neuer Co-CEO und CFO. Er folgt auf Fabian Becker, der in den Aufsichtsrat der Tochtergesellschaft Circus Defence SE wechselt.

Hauptversammlung als nächster Prüfstein

Am 16. August steht die ordentliche Hauptversammlung von Circus SE an. Angesichts der drastischen Prognosekorrektur, der Führungswechsel und der massiven Kursverluste dürfte das Treffen zu einem zentralen Termin für Aktionäre werden, die Antworten auf die operativen Probleme des Roboter-Rollouts erwarten. Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 50 Millionen Euro hat sich die Bewertung des Unternehmens binnen weniger Wochen drastisch reduziert.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.