Ein Kurssturz historischen Ausmaßes, gefolgt von einem ebenso heftigen Rebound: Bei Circus SE liegen Schock und Erholung in diesen Wochen dicht beieinander. Nachdem das Unternehmen seine Jahresprognose praktisch über Nacht kassiert hatte, meldeten Analysten und Anleger fast zeitgleich ihre Reaktionen – mit gegensätzlichem Vorzeichen.
Die Gewinnwarnung als Auslöser
Am 16. Juli senkte Circus SE per Ad-hoc-Mitteilung die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr drastisch. Statt der zuvor in Aussicht gestellten 44,0 bis 55,0 Millionen Euro rechnet der Vorstand nun nur noch mit 5,2 Millionen Euro. Auch beim operativen Ergebnis musste das Unternehmen deutlich zurückrudern: Aus einem erwarteten EBITDA von -6,0 bis -8,0 Millionen Euro wurde eine Korrektur auf rund -17,0 Millionen Euro. Am selben Tag meldete Circus SE einen operativen Fortschritt in einem anderen Bereich: den Start des Live-Betriebs seiner robotergestützten Verpflegungstechnologie für die 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Bodentruppen im Raum Kiew. Die Diskrepanz zwischen dieser Nachricht und der massiven Prognosekürzung dürfte bei Investoren für zusätzliche Verunsicherung gesorgt haben.
Montega senkt Kursziel deutlich
Die Reaktion der Analysten ließ nicht lange auf sich warten. Am 20. Juli stufte Montega AG die Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ herab und kappte das Kursziel von 10,00 Euro auf 2,20 Euro. Die Kürzung um mehr als drei Viertel spiegelt wider, wie stark die neue Umsatz- und Ergebnisprognose die bisherige Bewertungsgrundlage erschüttert hat. Bereits am 21. Juli äußerte sich zudem Water Tower Research im Anschluss an einen operativen Update-Call des Unternehmens zum zweiten Quartal, ohne dass daraus eine neue Kurszielsetzung bekannt wurde.
Überverkaufter Markt und ein Vertrauenssignal
Der Ausverkauf nach der Gewinnwarnung drückte den Kurs binnen 30 Tagen um 63,61 Prozent nach unten. Der 14-Tage-RSI von 19,5 signalisiert einen deutlich überverkauften Markt – ein Niveau, auf dem technische Gegenbewegungen häufig einsetzen. Genau das war gestern zu beobachten: Die Aktie schloss am Montag bei 2,00 Euro und legte damit im Tagesvergleich um 10,39 Prozent zu. Auf Wochensicht bleibt der Kurs mit einem Minus von 0,60 Prozent jedoch nahezu unverändert, während die annualisierte Volatilität von 156,91 Prozent die Nervosität im Handel unterstreicht.
Befeuert wurde die Erholung offenbar durch einen Aktienkauf eines Management-Mitglieds, über den Medien am 27. Juli berichteten. Ein Insiderkauf nach einem derartigen Kurseinbruch wird am Markt häufig als Vertrauenssignal gewertet – auch wenn die Marktkapitalisierung von aktuell 52,10 Millionen Euro zeigt, wie stark das Unternehmen im Zuge der Prognosekürzung an Bewertung eingebüßt hat.
Personalwechsel und operative Meilensteine
Auch abseits der Zahlenkorrektur bewegt sich bei Circus SE einiges. Christian Bauer, der zuvor in der Luftfahrt- und Automobilbranche tätig war, wurde Anfang Juli zum neuen Co-CEO ernannt; das Amt des CFO übernimmt er zum 1. Oktober 2026. Anfang Juli vollzog das Unternehmen zudem das Closing der vollständigen Übernahme des belgischen Food-Robotik-Unternehmens Alberts – bezahlt mit 1.200.000 neuen Circus-Aktien sowie Meilenstein-Zahlungen von bis zu 350.000 Euro. Für den internationalen Vorstoß sorgte der Erhalt der behördlichen Zertifizierung für die Vereinigten Arabischen Emirate; der kommerzielle Markteintritt in Abu Dhabi ist für September 2026 geplant.
Zur Einordnung der aktuellen Wachstumsdynamik lohnt der Rückblick auf die vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2025: Der Umsatz stieg auf rund 1,5 Millionen Euro nach 0,25 Millionen Euro im Vorjahr, während das bereinigte EBITDA bei -15,3 Millionen Euro lag. Anleger richten den Blick nun auf zwei anstehende Termine: die für den 2. September angesetzte Veröffentlichung der Quartalszahlen zum zweiten Quartal 2026 sowie die ordentliche Hauptversammlung im August. Beide Ereignisse dürften zeigen, ob sich die drastisch reduzierten Erwartungen als tragfähige neue Basis erweisen.
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