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Circus Aktie: Insiderkäufe am Tief

Circus SE verzeichnet signifikante Aktienkäufe durch Führungskräfte bei historisch niedrigem Kurs, während Pilotprojekte mit Bundeswehr und REWE laufen. Die Finanzierung der Wachstumsphase bleibt jedoch ungeklärt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Verwaltungsratschef kauft Aktien am Jahrestief
  • Pilotprojekte mit Bundeswehr und REWE gestartet
  • Umsatzprognose für 2026 deutlich über Vorjahr
  • Unternehmen prüft Aufnahme von Wachstumskapital

Dr. Jan-Christian Heins nutzt die Kursschwäche für Aktienkäufe – während Circus SE parallel von Kasernen bis Supermärkten operative Pflöcke einschlägt. Das Münchner KI-Robotik-Unternehmen kämpft mit der Quadratur des Kreises: Pilotprojekte laufen, die Finanzierung der nächsten Wachstumsphase steht aber noch aus.

Führungsebene kauft nach – direkt am Jahrestief

Am 25. Februar 2026 meldete Verwaltungsratschef Dr. Jan-Christian Heins einen Aktienkauf über rund 10.000 Euro zu 7,26 Euro je Aktie. Nur einen Tag zuvor hatte die Circus-Aktie ihr 52-Wochen-Tief bei 7,00 Euro markiert. Bereits Ende Januar und Anfang Februar hatte auch die Beteiligungsgesellschaft von CEO Nikolas Bullwinkel mehrfach zugegriffen.

Die Insiderkäufe fallen in eine schwierige Marktphase: Seit Jahresanfang verlor das Papier über 36 Prozent, in den vergangenen 30 Tagen allein rund 18 Prozent. Am Freitag schloss die Aktie bei 7,72 Euro – mehr als 68 Prozent unter dem Jahreshoch von 24,20 Euro.

Bundeswehr, REWE und Ukraine – die operative Realität

Parallel zur Kursentwicklung meldet Circus Fortschritte auf mehreren Ebenen. Seit Januar 2026 läuft ein Vertrag mit der Bundeswehr zur autonomen Lebensmittelversorgung in ausgewählten Kasernen. Der KI-Kochroboter CA-1 soll dort den ersten Einsatz unter dem neuen Label Circus Defence absolvieren.

Im zivilen Bereich startete eine achtmonatige Testphase in Düsseldorfer REWE-Filialen unter dem Brand „Fresh & Smart“. Der CA-1 verwaltet bis zu 36 gekühlte Zutaten und bereitet gleichzeitig bis zu fünf Gerichte zu – vollautomatisiert im Supermarkt. Weitere Partnerschaften existieren mit dem Tankstellennetz HEM sowie der Imbisskette Mangal x LP10, die langfristig bis zu 2.400 Roboter einsetzen will.

Besonders ambitioniert: Die Verteidigungssparte Circus Defence unterzeichnete ein Rahmenabkommen mit BRAVE1, der ukrainischen Plattform für Verteidigungstechnologie. Der Einsatz in aktiven Verteidigungsoperationen wäre ein Novum für autonome Versorgungssysteme.

Finanzen: Zwischen Wachstumsprognose und Kapitalfrage

Für 2026 prognostiziert Circus Umsätze zwischen 44 und 55 Millionen Euro bei einem negativen EBITDA von 6 bis 8 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2025 erlöste das Unternehmen gerade einmal 0,25 Millionen Euro bei einem Betriebsverlust von knapp 15 Millionen Euro – die abgeschlossene Entwicklungsphase vor dem kommerziellen Rollout.

Die Gesellschaft prüft derzeit die Aufnahme zusätzlichen Wachstumskapitals, ohne konkrete Entscheidungen zu Umfang oder Zeitpunkt getroffen zu haben. Genau hier liegt der Knackpunkt: Die Pilotprojekte liefern noch keine belastbaren Auswertungen aus dem Realbetrieb, die externe Kapitalgeber für größere Commitments erwarten dürften.

Was die Zahlen wirklich bedeuten

Erst nach Abschluss der Testphasen und der Auswertung von Kundenbefragungen wollen Partner wie REWE über eine breitere Integration entscheiden. Circus befindet sich in der klassischen Scale-up-Phase: Investitionen in Produktion, Logistik und Service belasten die Profitabilität, während der Nachweis der Skalierbarkeit noch aussteht.

Als potenzielle Kurstreiber gelten signierte Großaufträge, ein messbarer Anstieg wiederkehrender Software-Erlöse sowie konkrete Signale zur Wachstumsfinanzierung. Die Insiderkäufe der Führungsebene könnten Überzeugung signalisieren – oder schlicht die Bewertung auf aktuellem Niveau als attraktiv. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich aus den Piloten tragfähige kommerzielle Partnerschaften entwickeln.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.