Starke operative Meilensteine, schwache Kurse. Bei der Circus SE klaffen Realität und Börsenstimmung weit auseinander. Das Robotik-Unternehmen sammelt lukrative NATO-Aufträge ein und stellt sein Vertriebsmodell radikal um. Die Anleger reagieren mit Abverkäufen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Die Aktie notiert aktuell bei 6,69 Euro. Das entspricht einem Minus von über 44 Prozent seit Jahresbeginn. Vom 52-Wochen-Hoch stürzte das Papier sogar um 71 Prozent ab.
Der Grund für diese Skepsis liegt in der Bilanz. Das Management peilt für das laufende Jahr Erlöse von bis zu 55 Millionen Euro an. Das bereinigte EBIT lag zuletzt bei minus 15,3 Millionen Euro.
Analysten der Montega AG erwarten den operativen Break-even frühestens 2027.
Neues Modell und Rüstungs-Fantasie
Circus reagiert auf diese Lücke. Das Unternehmen bietet seine autonomen Robotersysteme nun zur Miete an. Kunden zahlen eine monatliche Pauschale von 4.000 Euro. Partner wie Siemens Financial Services finanzieren das Modell.
Das Ziel: Ein Auftragsbestand von über 550 Systemen soll schnell in wiederkehrende Umsätze fließen.
Parallel dazu baut Circus ein starkes Momentum im Verteidigungssektor auf. Die Bundeswehr nutzt die Technologie bereits an einem gesicherten Standort. Kürzlich qualifizierte sich das Unternehmen offiziell als zertifizierter Lieferant der NATO. Circus verhandelt aktiv mit mehr als zehn Mitgliedstaaten. Auslieferungen für ukrainische Soldaten befinden sich im Integrationsprozess.
Übernahme bringt Verwässerungsrisiko
Auch die Produktion läuft schneller. Partner Celestica halbierte die Fertigungszeit des Modells CA-1 auf etwa vier Wochen. Mittelfristig plant Circus eine Jahreskapazität von 1.000 Einheiten.
Um das Wachstum zu beschleunigen, kauft das Unternehmen den belgischen Spezialisten Alberts. Der Abschluss ist für Ende Juni geplant. Alberts bringt kompakte Systeme für urbane Standorte mit.
Ein teurer Deal. Circus bezahlt die Belgier vollständig in eigenen Aktien. Diese unterliegen einer Sperrfrist von 30 Monaten. Bestandsaktionäre erwartet dennoch ein Verwässerungseffekt.
Am 30. Juni legt Circus den testierten Geschäftsbericht vor. Im Juli folgt das nächste operative Update des Managements. Dann müssen konkrete finanzielle Kennzahlen die ehrgeizige Wachstumsstory stützen. Besonders die Umwandlung der Vorbestellungen in echte Umsätze steht dann im Fokus.
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