Juli 2026 per Ad-hoc-Meldung ihre Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr drastisch zusammengestrichen. Statt der bislang in Aussicht gestellten 44 bis 55 Millionen Euro rechnet der Vorstand nun nur noch mit 5,2 Millionen Euro Umsatz – nach 1,6 Millionen Euro im Vorjahr. Der Aktienkurs brach im Xetra-Handel um rund 50 Prozent ein. Am Freitag schloss das Papier bei 2,15 Euro, ein Minus von 13,63 Prozent an nur einem Handelstag. Der 14-Tage-RSI von 14,0 signalisiert eine stark überverkaufte Marktlage.
Verschobene Auslieferungen als Begründung
In einem „Q2 Operational Update Call“ erklärte der Vorstand die massive Kürzung mit einer strategischen Entscheidung: Systemauslieferungen sollen ins Jahr 2027 verschoben werden. Ziel sei es, die Wirtschaftlichkeit der Technologie – die sogenannten Unit Economics – sowie die Autonomie der Lieferkette zu optimieren, bevor eine breite Skalierung erfolgt. Anleger quittierten diese Kehrtwende mit einem der schärfsten Kurseinbrüche der jüngeren Firmengeschichte.
Militärischer Einsatz in der Ukraine als Gegenpol
Auffällig ist, dass Circus am selben Tag eine operative Erfolgsmeldung veröffentlichte. Das Unternehmen gab den Start des Live-Betriebs seiner autonomen Verpflegungssysteme zur Versorgung der 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Streitkräfte im Raum Kiew bekannt. Voraussetzung dafür war die Zertifizierung durch den ukrainischen Dienst für Lebensmittelsicherheit, die zuvor erteilt wurde. Trotz dieser Nachricht konnte der Kurs den Prognoseschock nicht kompensieren – die negative Signalwirkung der gekappten Umsatzziele dominierte den Handelstag.
Expansion lief noch wenige Wochen zuvor auf Hochtouren
Die Prognosekürzung kontrastiert mit einer Reihe von Expansionsschritten, die Circus in den Wochen davor gemeldet hatte. Anfang Juli schloss der Konzern die Übernahme des belgischen Food-Robotik-Unternehmens Alberts vollständig ab und erweiterte damit sein Portfolio um kompakte, automatisierte Robotiklösungen. Ebenfalls Anfang Juli erhielt Circus die regulatorische Zulassung für die Vereinigten Arabischen Emirate und startete den kommerziellen Rollout seiner Robotik-Systeme in Abu Dhabi.
Ende Mai hatte das Unternehmen zudem vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vorgelegt und berichtet, den Produktionsstandort gemeinsam mit Partner Celestica im ersten Quartal 2026 um 60 Prozent ausgebaut zu haben. Am 30. Juni folgte die Veröffentlichung des geprüften Geschäftsberichts für 2025. Mitte April hatte Circus zudem eine Vereinbarung mit der FINEXITY AG unterzeichnet, um Kapitalmarktfinanzierungen für KI-Robotik mit einem Volumen von bis zu 50 Millionen Euro zu strukturieren und zu platzieren.
Kursverlauf spiegelt den Vertrauensverlust
Die Marktkapitalisierung von Circus liegt inzwischen bei 57,21 Millionen Euro. Über die vergangenen sieben Handelstage hat das Papier 54,96 Prozent an Wert verloren, auf Sicht von 30 Tagen summiert sich das Minus auf 65,63 Prozent. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 146,83 Prozent unterstreicht, wie nervös der Markt das Papier derzeit handelt. Die massive Diskrepanz zwischen der ursprünglichen Umsatzprognose von bis zu 55 Millionen Euro und dem nun angepeilten Wert von 5,2 Millionen Euro dürfte das zentrale Thema für Anleger bleiben, während sich zeigen muss, ob operative Fortschritte wie der Ukraine-Einsatz oder die Expansion in die Emirate mittelfristig neues Vertrauen schaffen können.
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