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Circus Aktie: 17 Millionen Fehlbetrag erwartet

Foodtech-Roboterbauer Circus SE senkt Umsatzprognose drastisch und erwartet höheren Verlust. Die Aktie bricht ein.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatzprognose massiv gesenkt
  • Verlusterwartung deutlich erhöht
  • Aktie mit historischem Kurssturz
  • Ukraine-Einsatz als Randnotiz

Juli 2026 mit einer massiven Gewinnwarnung überrascht. Per Ad-hoc-Mitteilung kappte der Foodtech-Roboterspezialist die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026 von zuvor 44 bis 55 Millionen Euro auf nur noch 5,2 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr hatte das Unternehmen 1,6 Millionen Euro umgesetzt. Als Grund nannte Circus eine strategische Verschiebung von Systemauslieferungen in das Jahr 2027.

Verlust weitet sich aus, Auslieferungen verschieben sich

Parallel zur Umsatzkappung musste Circus auch die Verlustprognose nach oben korrigieren. Statt eines EBITDA von minus 6 bis minus 8 Millionen Euro rechnet der Vorstand nun mit einem Fehlbetrag von rund 17 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte das bereinigte EBITDA bei minus 18,8 Millionen Euro gelegen. Die Botschaft an den Kapitalmarkt: Das eigentliche Wachstum verlagert sich um ein volles Jahr nach hinten, während die Kosten in der Zwischenzeit weiterlaufen.

Erster Einsatz in einem aktiven Konfliktgebiet

Am selben Tag verbreitete Circus eine gänzlich andere Nachricht: den Start des Live-Betriebs seiner autonomen Verpflegungssysteme zur Versorgung der 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Bodentruppen im Raum Kiew. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um den weltweit ersten Einsatz derartiger Systeme in einem aktiven Konfliktgebiet. Die zeitliche Nähe beider Meldungen ließ den Markt jedoch kaum Zeit, die militärische Anwendung als eigenständiges Signal zu werten – die Prognosekorrektur dominierte die Reaktion der Anleger.

Umbau an der Spitze und Expansion im Ausland

Schon eine Woche zuvor, am 7. Juli 2026, hatte Circus einen Umbau der Führungsspitze eingeleitet. Ein bislang namentlich nicht genannter Manager aus der Luftfahrt- und Automobilbranche soll neuer Co-CEO und CFO werden. Der bisherige Co-CEO Claus Holst Gydesen wechselt in den Beirat, Finanzvorstand Fabian Becker in den Aufsichtsrat der Tochtergesellschaft Circus Defence. Die offizielle Vorstellung samt Namensnennung des neuen Managers steht noch für Juli 2026 aus.

Operativ trieb Circus zuletzt mehrere Expansionsschritte voran. Anfang Juli erhielt das Unternehmen die Zertifizierung des Staatlichen Dienstes der Vereinigten Arabischen Emirate für Lebensmittelsicherheit, womit der kommerzielle Rollout in Abu Dhabi beginnen kann. Mitte Juni übernahm Circus das belgische Food-Robotik-Unternehmen Alberts, dessen kompakte Systeme mit rund einem Quadratmeter Grundfläche das Portfolio um kleinflächige Standorte wie Büros und Kliniken erweitern sollen. Bereits Ende April hatte Circus das US-israelische Unternehmen Kitchen Robotics samt sämtlicher Patente und Software-IP für einen niedrigen sechsstelligen Barbetrag komplett übernommen, um den Markteintritt in den USA auf die zweite Jahreshälfte 2026 vorzuziehen.

Die vorläufigen Zahlen für 2025, Ende Mai vorgelegt, zeigten einen Umsatzanstieg auf 1,5 Millionen Euro nach 0,25 Millionen Euro im Vorjahr, bei einem bereinigten EBITDA von minus 15,3 Millionen Euro. Ende Juni folgte der testierte Jahresbericht.

Aktie im freien Fall

Der Kapitalmarkt hat die Gewinnwarnung mit einem historischen Kurseinbruch quittiert. Die Circus-Aktie notiert aktuell bei 2,09 Euro, ein Minus von 3,02 Prozent allein am laufenden Handelstag. Auf Monatssicht steht ein Kursrückgang von 66,34 Prozent zu Buche. Der Relative-Stärke-Index von 13,8 signalisiert eine technisch stark überverkaufte Situation. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt inzwischen bei 55,87 Millionen Euro.

Für Anleger rückt nun die Hauptversammlung am 16. August 2026 in den Fokus. Dort dürfte der Vorstand Rede und Antwort stehen müssen, wie die Verschiebung der Auslieferungen ins Jahr 2027 konkret zustande kam und welche Rolle der neue Co-CEO und CFO künftig bei der Aufarbeitung der Prognosekrise spielen soll.

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