Christine Lagarde gibt ihr Amt an der Spitze der Europäischen Zentralbank früher auf als geplant. Ihr Rücktritt zum 7. Februar 2027 soll den Staats- und Regierungschefs der Eurozone ermöglichen, die Nachfolge noch vor der Präsidentschaftswahl in Frankreich im April 2027 zu regeln. Regulär wäre ihre Amtszeit erst Ende Oktober 2027 ausgelaufen.
Lagarde führt die Notenbank seit November 2019. Über ihren Schritt informierte sie den EZB-Rat sowie den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa. Hinter dem Schritt steht politisches Kalkül: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron darf bei der anstehenden Wahl nicht erneut antreten. Ein möglicher Wahlsieg von Rechtspopulisten um Marine Le Pen könnte die Besetzung des Chefpostens blockieren. Gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz kann Macron das Spitzenamt nun vorab verhandeln.
Frühere Zentralbankchefs aus den Niederlanden und Spanien im Fokus
Die Vakanz trifft auf weitere Umbrüche im sechsköpfigen Notenbank-Direktorium. Isabel Schnabel wechselt Anfang Januar 2027 zum Internationalen Währungsfonds nach Washington. Im Juni 2027 läuft zudem die Amtszeit von Chefökonom Philip R. Lane ab. Auf europäischer Ebene steht damit ein ganzes Personalpaket zur Verhandlung.
Als Favoriten für Lagardes Nachfolge gelten der frühere niederländische Notenbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos, der derzeit die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich leitet. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hatte ebenfalls Interesse signalisiert. Deutschland stellte den EZB-Präsidenten bislang noch nie. Allerdings amtiert mit Ursula von der Leyen bereits eine Deutsche an der Spitze der Europäischen Kommission, was die Durchsetzung eines deutschen Kandidaten erschwert.
Finanzmärkte reagieren gelassen
An den Märkten löste die Rücktrittsankündigung keine Verwerfungen aus. Der DAX notierte am Vormittag freundlich, während die Blicke der Marktteilnehmer auf die anstehende Zinsentscheidung fielen. Allgemein wird mit einer Zinspause gerechnet. Das Ergebnis wird um 14:15 Uhr veröffentlicht, die Erläuterung auf der Pressekonferenz folgt um 14:45 Uhr.
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