Während Chevron gerade den höchsten Quartalsgewinn seit mindestens sechs Jahren feiert, schickt der Konzern eine unbequeme Botschaft an Autofahrer und Politik: Die hohen Preise für Diesel und andere Kraftstoffe dürften bis weit in die zweite Jahreshälfte hinein bestehen bleiben. Grund ist der andauernde Iran-Krieg, der die globalen Energiemärkte seit Ende Februar durcheinanderwirbelt.
Chevron-Chef Mike Wirth sprach auf der Analystenkonferenz von anhaltendem Aufwärtsdruck bei den Produktpreisen — mindestens bis ins dritte Quartal, womöglich darüber hinaus. Die Nachfrage nach Destillaten wie Diesel und Heizöl werde sich auch langfristig kaum abschwächen, so Wirth. Exxon-Chef Darren Woods ergänzte, die aktuell hohe Auslastung der Raffinerien lasse sich auf Dauer nicht durchhalten — die Raffinerie-Problematik werde die Welt noch eine Weile begleiten.
Rekordproduktion trifft auf knappe Kapazitäten
Die Zahlen hinter der Warnung sind eindeutig: Chevron fuhr seine US-Raffinerien mit einem Rekorddurchsatz von mehr als einer Million Barrel pro Tag. Der Konzernumsatz profitierte zudem von einer um ein Fünftel gesteigerten Gesamtproduktion auf 4,07 Millionen Barrel täglich, angetrieben von Anlagen im Golf von Mexiko und in Kasachstan sowie der milliardenschweren Übernahme von Hess im vergangenen Jahr.
Der Gewinn kletterte auf knapp 12,1 Milliarden Dollar und damit auf mehr als das Vierfache des Vorjahreswerts. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg von 1,77 auf 6,06 Dollar — deutlich über den Erwartungen der Analysten. Zum Vergleich: Exxon verfehlte die Konsensschätzungen knapp, auch wenn das adjustierte Downstream-Ergebnis dort auf 4,1 Milliarden Dollar zulegte.
Die Kehrseite der Rekordauslastung: Notwendige Wartungsarbeiten sind unvermeidlich. Chevron rechnet für das dritte Quartal mit einer Belastung des Downstream-Ergebnisses zwischen 175 und 225 Millionen Dollar durch geplante Ausfallzeiten. Exxon dagegen erwartet im dritten Quartal geringere Wartungskosten als in den vergangenen drei Monaten — ein Unterschied, der die Ergebnisse beider Konzerne in den kommenden Monaten auseinanderlaufen lassen könnte.
Für die politische Debatte in Washington dürfte das kein Trost sein. US-Benzinpreise waren zuletzt wieder über vier Dollar je Gallone gestiegen — mitten in einem Wahljahr, in dem Republikaner und Demokraten um die Mehrheiten im Kongress kämpfen. Die Ölkonzerne betonen, sie täten alles, um die Produktion hochzuhalten. Ob das reicht, um die Preise zu drücken, hängt vor allem davon ab, wann der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder normal läuft.
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