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Chevron Aktie: Umbau mit Gegenwind

Chevron verkauft Raffineriegeschäft in Singapur, während ein längerer Produktionsstopp in Kasachstan die Bilanz belastet. Analysten bleiben trotzdem optimistisch und stufen die Aktie auf.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Verkauf der Singapur-Assets im ersten Quartal 2026
  • Produktionsausfall im wichtigen Tengiz-Ölfeld
  • JP Morgan stuft Aktie auf 'Overweight' hoch
  • Aktie notiert nahe ihrem 52-Wochen-Hoch

Chevron sortiert sein Portfolio neu – und trifft dabei auf handfeste operative Probleme. Der geplante Verkauf der Singapur-Aktivitäten soll Kapital freisetzen, während ein längerer Produktionsstopp in Kasachstan die kurzfristige Bilanz belastet. Gleichzeitig stellen sich große Investmentbanken demonstrativ hinter den Titel. Wie passt das zusammen?

Verkauf in Singapur, Störung in Kasachstan

Im Fokus steht der Ausstieg aus dem Raffinerie- und Vertriebsgeschäft in Singapur. Der Konzern befindet sich nach Unternehmensangaben in der Schlussphase der Verhandlungen mit einem Konsortium aus Eneos und Glencore. Der Abschluss der Transaktion ist für das laufende erste Quartal 2026 vorgesehen.

Strategisch folgt Chevron damit seiner Linie, margenschwächere Downstream-Assets abzubauen und mehr Kapital in ertragsstärkere Förderprojekte (Upstream) zu lenken. Der geplante Verkauf in Asien gilt als wichtiger Baustein dieser Portfoliobereinigung.

Auf der anderen Seite steht eine spürbare Belastung in Kasachstan. Das Tengiz-Ölfeld, eines der zentralen internationalen Förderprojekte, bleibt nach einem Brand in einem Kraftwerk länger als zunächst angenommen außer Betrieb. Die Schließung wurde um weitere zehn Tage verlängert und betrifft schätzungsweise 700.000 Tonnen Rohölexporte. Kurzfristig drückt das auf die Produktionsmengen und erhöht die Unsicherheit rund um das nächste Quartalsergebnis.

Analysten bleiben konstruktiv

Trotz dieser operativen Störung hat sich die Stimmung an der Wall Street aufgehellt. JP Morgan stufte die Aktie am 21. Januar auf „Overweight“ hoch und verweist vor allem auf Bewertung und Kapitaldisziplin des Unternehmens. Auch Jefferies legte nach und erhöhte sein Kursziel, was als Signal gewertet werden kann, dass große Adressen die Probleme in Tengiz eher als vorübergehend einstufen.

Parallel dazu zeigen sich Verschiebungen in den Investorenstrukturen:

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  • Bailard Inc. erhöhte seine Position im dritten Quartal um 16,3 % und kaufte 16.129 zusätzliche Chevron-Aktien.
  • Das Volumen dieser Beteiligung liegt nun bei rund 17,85 Mio. US-Dollar.
  • Auf der anderen Seite wurden im gleichen Zeitraum Chevron-Aktien im Wert von 100,25 Mio. US-Dollar von Insidern veräußert.

Damit prallen unterschiedliche Signale aufeinander: institutionelle Investoren bauen Engagements aus, während Unternehmensinsider Kasse machen. Der Artikel liefert keine Bewertung dieser Diskrepanz, sie unterstreicht jedoch die derzeit gemischte Wahrnehmung des Chance-Risiko-Profils.

Expansion in Afrika und geopolitischer Rahmen

Operativ treibt Chevron seine Explorationsstrategie weiter voran. Neuigkeiten von Sintana Energy zu dem Explorationsblock PEL 37 vor der Küste Namibias verweisen auf Chevrons Aktivitäten in unmittelbarer Nachbarschaft: Der Konzern hält dort die Betreiberrolle im PEL-82-Block und bereitet eine Explorationsbohrkampagne vor. Das unterstreicht den Anspruch, sich in sogenannten Frontier-Märkten zusätzliche Reserven zu sichern.

Das Gesamtbild bleibt damit komplex:
– Der Verkauf der Singapur-Assets reduziert die Abhängigkeit von margenschwächeren Raffineriestrukturen.
– Gleichzeitig fließen Unsicherheiten aus Venezuela und die Produktionsunterbrechung in Kasachstan in die Bewertung ein.

An der Börse spiegelt sich das aktuell in einer Konsolidierungsphase nahe dem Jahreshoch wider. Die Aktie handelt mit 166,20 US-Dollar nur geringfügig unter ihrem 52‑Wochen-Hoch; auf 30‑Tage-Sicht steht dennoch ein Plus von gut 30 % zu Buche, was auf eine zuvor starke Rally hinweist.

Ausblick: Q1 wird zum Belastungstest

Der nächste Fixpunkt ist der 29. Januar 2026, wenn Chevron seine Zahlen vorlegt. Im Mittelpunkt dürften zwei Fragen stehen: Wie stark hat der Ausfall in Tengiz Ergebnis und Cashflow im laufenden Quartal tatsächlich getroffen? Und in welcher Größenordnung trägt der Verkauf in Singapur zur Freisetzung von Kapital und möglichen Sondererträgen bei?

Kurzfristig ist die Aktie nach der schnellen Aufwärtsbewegung technisch angespannt – der 14-Tage-RSI von 75,8 signalisiert einen überkauften Zustand. Fundamental hängt die weitere Kursentwicklung nun daran, ob Chevron den Spagat schafft: die temporären Produktionsausfälle zu begrenzen und gleichzeitig die Portfoliobereinigung in Asien zügig und zu attraktiven Konditionen abzuschließen.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.