Der US-Ölriese Chevron sichert sich exklusive Explorationsrechte für Erdgasfelder in griechischen Gewässern. Die am Montag in Athen unterzeichnete Vereinbarung markiert einen strategischen Schritt in Europas Bemühungen, sich von russischen Energielieferungen unabhängig zu machen.
Kernfakten:
– Explorationsgebiet: 47.000 Quadratkilometer südlich der Peloponnes und Kreta
– Konsortium: Chevron mit griechischem Energiekonzern HELLENiQ ENERGY
– Zeitplan: Bis zu fünf Jahre für Lagerstättenfindung, Test-Bohrungen frühestens 2030-2032
– Politischer Kontext: Teil der EU-Strategie zum Ausstieg aus russischem Gas
Vier Tiefsee-Blöcke gesichert
Das von Chevron angeführte Konsortium erhielt Rechte an vier Tiefsee-Blöcken südlich der Peloponnes-Halbinsel und der Insel Kreta. Das Explorationsgebiet erstreckt sich über rund 47.000 Quadratkilometer. Der griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis wohnte der Zeremonie bei. Die Vereinbarung verdoppelt die für Exploration verfügbare griechische Meeresfläche und folgt auf einen Zuschlag bei einer internationalen Ausschreibung im Oktober 2025.
Bevor seismische Untersuchungen beginnen können, muss das griechische Parlament die Pachtverträge genehmigen. Das Konsortium hat dann bis zu fünf Jahre Zeit, potenzielle förderbare Lagerstätten zu lokalisieren.
Teil der europäischen Energiewende
Der Deal erfolgt vor dem Hintergrund der EU-Bestrebungen, russische Gaslieferungen nach dem Energiepreisschock infolge der Ukraine-Invasion 2022 zu ersetzen. Griechenland, das keine eigene Gasproduktion besitzt und vollständig auf Importe für die Stromerzeugung angewiesen ist, hat die Offshore-Gasexploration wiederbelebt.
Chevrons Vereinbarung ist bereits die zweite große US-Zusage in griechischen Gewässern innerhalb weniger Monate. ExxonMobil schloss sich im November 2025 Energean und HELLENiQ an, um in einem weiteren Offshore-Block in Westgriechenland nach Gas zu suchen. ExxonMobil und HELLENiQ halten zudem Lizenzen für zwei weitere Tiefsee-Blöcke südlich Kretas.
US-Botschafterin Kimberly Guilfoyle betonte bei der Präsentation in Athen die geopolitische Bedeutung: US-LNG, das durch Griechenland fließt, „zeichnet die Energielandkarte Europas neu und schafft eine dauerhafte Alternative zu russischem Gas – nicht nur für eine Saison, sondern für Generationen“.
Mittelmeer-Strategie nimmt Form an
Die griechische Exploration ergänzt Chevrons bestehende Pläne zur Produktionsausweitung in Israel, wo das Unternehmen im Januar 2026 die finale Investitionsentscheidung für die Erweiterung des Leviathan-Gasfelds traf. Griechenland soll als Tor für US-Flüssigerdgas dienen, das über den Vertikalen Gas-Korridor nach Mitteleuropa und in die Ukraine transportiert wird.
Die Vereinbarung reiht sich in Chevrons jüngste geografische Expansion ein. Der Konzern kehrte auch nach 15 Jahren erstmals nach Libyen zurück und weitete nach Lockerung der US-Sanktionen die Aktivitäten in Venezuela aus.
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