Chevron rückt mit einem politisch heiklen, aber potenziell lukrativen Projekt in Venezuela in den Mittelpunkt. Parallel dazu steht in wenigen Tagen der Q4-Bericht an, bei dem Analysten mit einem deutlichen Gewinnrückgang rechnen. Die zentrale Frage: Können höhere Fördermengen und strategische Deals die Belastungen durch niedrigere Ölpreise und Integrationskosten mittelfristig ausgleichen?
Venezuela-Pläne mit Washington
Die Trump-Regierung verhandelt derzeit mit Chevron und großen Ölfeld-Dienstleistern wie SLB, Halliburton und Baker Hughes über eine schnelle Ausweitung der Ölproduktion in Venezuela. Laut Bloomberg sollen die Investitionen zunächst bewusst begrenzt bleiben: Statt eines kompletten Infrastruktur-Umbaus im Umfang von rund 100 Milliarden US‑Dollar liegt der Fokus auf Reparaturen, Austausch beschädigter Anlagen und der Reaktivierung bestehender Bohrstandorte.
Nach Einschätzung hochrangiger Regierungsvertreter könnte Venezuela mit diesem „Light-Ansatz“ kurzfristig die Förderung um mehrere Hunderttausend Barrel pro Tag steigern. Damit geht es weniger um ein Großprojekt auf einen Schlag, sondern um eine schrittweise Wiederbelebung mit relativ geringem Kapitaleinsatz.
Chevron als Schlüsselakteur
Chevron ist der einzige große US-Ölkonzern, der seine Präsenz in Venezuela über die vergangenen Jahre hinweg aufrechterhalten hat. Vizechef Mark Nelson kündigte bei einem Treffen im Weißen Haus am 9. Januar an, die Produktion in den Gemeinschaftsunternehmen mit dem staatlichen Ölkonzern PDVSA innerhalb von 18 bis 24 Monaten um 50 % erhöhen zu wollen.
Nelson verwies auf eine Produktionskapazität der Joint Ventures von rund 240.000 Barrel pro Tag. Tatsächlich lag die Ausfuhr Ende 2025 jedoch deutlich darunter: US-Sanktionen hatten Chevron-Exporte bis Dezember auf etwa 100.000 Barrel pro Tag gedrückt. Das Unternehmen betont dennoch, es sei bereit, Venezuela beim Wiederaufbau zu unterstützen und zugleich die US‑Energie- und Regionalsicherheit zu stärken.
Operativ will Chevron zunächst „nutzen, was vor Ort vorhanden ist“ – also bestehende Anlagen, Felder und Infrastruktur. Insgesamt betreibt der Konzern fünf Projekte in Venezuela, darunter Beteiligungen im Boscan-Feld, in der Region um den Maracaibo-See und im schwerölgeprägten Orinoco-Gürtel. Die Aktivitäten umfassen rund 77.000 Acres an Öl- und Gasflächen im Land.
Analysten: Rückenwind trotz Gewinnrückgang
Die strategische Positionierung spiegelt sich zunehmend auch in den Analystenstudien wider. JPMorgan hat am 20. Januar die Berichterstattung zu Chevron wieder aufgenommen und die Aktie mit „Overweight“ und einem Kursziel von 176 US‑Dollar eingestuft. Begründet wurde dies vor allem mit der erfolgreichen Integration der 2025 abgeschlossenen Hess-Übernahme sowie laufenden Kostensenkungsprogrammen.
Zusätzlich hob JPMorgan hervor, dass Chevron sich in exklusiven Gesprächen mit einem Kunden befindet, um ein erdgasbetriebenes Kraftwerksprojekt zur Versorgung eines Rechenzentrums mit aufzubauen – ein weiterer Hinweis darauf, dass der Konzern verstärkt auf Infrastruktur rund um Energie- und Datenbedarf setzt.
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Im Marktkonsens überwiegt verhaltener Optimismus: Von 27 Analysten empfehlen 13 die Aktie als „Strong Buy“, drei weitere als „Moderate Buy“. Das durchschnittliche Kursziel von 169,26 US‑Dollar impliziert auf Basis des aktuellen Niveaus ein Aufwärtspotenzial von rund 6 %.
Q4-Ausblick: Gewinn unter Druck
Am Donnerstag, den 30. Januar, legt Chevron vor Börsenstart seine Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Die Erwartungen sind gedämpft: Sechs Analysten rechnen im Konsens mit einem Ergebnis je Aktie von 1,54 US‑Dollar – etwa 25 % weniger als die 2,06 US‑Dollar im Vorjahresquartal. Belastungsfaktoren sind insbesondere niedrigere Ölpreise und Integrationskosten aus der Hess-Transaktion.
Für das Gesamtjahr 2025 werden Gewinne von 7,34 US‑Dollar je Aktie prognostiziert, ein Rückgang um 27 % gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 erwarten Analysten einen weiteren leichten Rückgang um 4 % auf 7,04 US‑Dollar. Damit signalisiert der Markt: Kurzfristig stehen Margen und Ergebnisentwicklung unter Druck, auch wenn die Förderbasis deutlich gewachsen ist.
Gleichzeitig lieferte das dritte Quartal 2025 starke operative Signale. Chevron übertraf die Erwartungen, steigerte die Produktion dank der Hess-Übernahme auf einen Rekordwert von 4,1 Millionen Barrel pro Tag – ein Plus von 21 % im Jahresvergleich – und verbesserte den freien Cashflow um 52 % auf 7 Milliarden US‑Dollar. Das unterstreicht, dass das höhere Volumen grundsätzlich Ertragspotenzial bietet, sobald die Sondereffekte nachlassen.
Marktbild und Bewertung
An der Börse ist die Aktie solide unterwegs. In den vergangenen 30 Tagen legte der Kurs um knapp 12 % zu, seit Jahresbeginn um rund 7 %. Am Freitag schloss die Aktie bei 167,51 US‑Dollar und markierte damit ein neues 52‑Wochen-Hoch; gegenüber dem Tief von 118,90 US‑Dollar aus April 2025 entspricht das einem Anstieg von gut 40 %. Der RSI von 75,8 signalisiert allerdings ein technisch überkauftes Niveau.
Chevron hält seinen Ruf als Dividendenkonzern aufrecht: Mit 38 aufeinanderfolgenden jährlichen Erhöhungen zählt der Konzern weiter zur Riege der Dividend Aristocrats. Die aktuelle Ausschüttung liegt bei 6,84 US‑Dollar im Jahr, was einer Rendite von 4,37 % entspricht.
Beim Investitionsprogramm bleibt das Management vorsichtig expansiv. Der im Dezember vorgestellte Capex-Plan für 2026 sieht Ausgaben von 18 bis 19 Milliarden US‑Dollar vor und liegt damit am unteren Ende der langfristigen Spanne von 18 bis 21 Milliarden US‑Dollar. Das deutet auf Kapitaldisziplin hin, während gleichzeitig in Wachstumsprojekte wie Venezuela und Infrastrukturvorhaben investiert wird.
Fazit: Zwischen Politikrisiko und Wachstum
Chevron steht derzeit an mehreren Fronten: Politisch sensible Gespräche über eine rasche Produktionsausweitung in Venezuela, ein hoher Integrationsaufwand nach der Hess-Übernahme und kurzfristig rückläufige Gewinne treffen auf steigende Fördermengen, robuste Dividendenhistorie und konstruktive Analysteneinschätzungen. Entscheidend wird in den kommenden Quartalen sein, ob das Management den Spagat aus wachsender Produktion, überschaubarem Investitionsrahmen und Ergebnisstabilisierung schafft – erste Hinweise darauf liefert der Q4‑Bericht am 30. Januar.
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